18. November 2017

Wolli on Tour

Bauernbrot

Art. 665 Bauernbrot

Raus aus dem Alltag, hinein ins Vergnügen! Eine Woche lang folgen wir dem Lech, einem der letzten ungezähmten Wildflüsse Europas von seiner Quelle im österreichischen Vorarlberg bis zum tosenden, zwölf Meter tiefen Lechfall in Füssen.

Die Busfahrkarte liegt griffbereit auf der Kommode, der Rucksack wartet gepackt an der Zimmertür. Zufrieden mache ich es mir auf der Couch meines Hotelzimmers gemütlich und lese noch einmal die Wegbeschreibung für die erste der insgesamt acht Etappen des Lechweges. Der 125 Kilometer lange, seit 2012 erschlossene Fernwanderweg, führt zweifellos durch eine grandiose Natur- und Flusslandschaft. Wer einmal an dem berühmten, auffällig smaragdgrün gefärbten Lech entlang gelaufen ist, vergisst diese Eindrücke vermutlich nie. Daneben erinnert der Lechweg an die historischen Alpenüberquerungen der Römer, ruft die Geschichte der Schwabenkinder in Erinnerung und gewährt Einblicke in den Lebensraum der größten Steinbock-Kolonie Europas. Die Reiseberichte und Bilder vom Lechweg haben auch meine Freunde begeistert. So entstand die Idee eines gemeinsamen Wanderurlaubs.

Unser Lechweg-Abenteuer beginnt am nächsten Morgen an der Bushaltestelle vor dem Postamt. Mit dem Wanderbus fahren wir bis zur Endhaltestelle Formarinsee. Hier entscheiden wir uns einstimmig gegen die Empfehlung des Wanderführers, folgen stattdessen einer gut befestigten Versorgungsstraße und werden bald mit einem tollen Blick auf den tiefblau glitzernden Formarinsee belohnt. Dieser See speist den gleichnamigen Formarinbach.

Nach diesem Abstecher kehren wir auf den im Wanderführer angegebenen Weg zurück und erreichen die Alpe Formarin. Nach einer kurzen Rast im hohen Gras entdecken wir den beschriebenen Wiesenweg, der uns direkt zum Steinbock-Denkmal führt. Das Mahnmal erinnert an die erfolgreiche Wiederansiedlung der bis heute stark gefährdeten Alpen-Steinböcke im Jahr 1958. Im Zuger Tal konnte sich der Tierbestand erholen, hier lebt inzwischen eine der größten Steinbock-Kolonien Europas.
Unser Weg durchquert zahlreiche Almwiesen, führt vorbei an vielen, vom rauen Bergklima gezeichneten Kalksteinfindlingen und erreicht schließlich das Ufer des Formarinbaches. Wir folgen dem Gewässer, überwinden dabei zahlreiche kleine Holzbrücken und lassen das Zuger Tal immer weiter hinter uns. Die Vormittagssonne zeigt sich auf diesem Abschnitt von ihrer besten Seite und bringt uns arg ins Schwitzen. Besorgt spüre ich, wie meine Kräfte immer mehr schwinden. Oh, jetzt wäre eine Pause gut!

Art. 947 XXL-Kornspitz

Art. 947 XXL-Kornspitz

Einen Augenblick später entdecken wir einen Hinweis auf die Zuger Alpe. Sehnsüchtig folgen wir dem Schild und kehren in einer typischen Vorarlberger Jausenhütte ein. Der Begriff Jause leitet sich vom slowenischen Wort Juzina ab und bedeutet übersetzt Zwischenmahlzeit oder kleines Mittagsessen. Ein Vorarlberger Jausenbrot ist daher gut mit einer bayerischen Brotzeit, einer süddeutschen Vesper, einem rheinhessischen Imbs oder einer herzhaften Winzerplatte vergleichbar. Der wichtigste Bestandteil jeder Jause ist das Jausenbrot. Hier kommen üblicherweise aus Natursauerteig gebackene Landbrote und Roggenmischbrote auf den Tisch. Auf Wunsch bieten viele Hüttenwirte auch Dinkel-Vollkornbrote oder Saatenbrote an. Unverzichtbar für eine Jause sind auch deftige, regionale Wurstspezialitäten und herzhafte Käsesorten wie Limburger, Handkäs, Romadur, Emmentaler oder Bergkäse. Dazu gibt es Butter, saure Gurken, leicht gesalzene Rettichscheiben, Tomaten oder Radieschen. In vielen Hütten wird die Jause auf einem rustikalen Holzbrett serviert. Gegen den Durst gibt es ein kühles Bier, einen Schoppen Wein, Fruchtsäfte und Schorlen oder ein Glas frische Buttermilch.

Art. 1210 FF-Bio-Vitalsandwich

Art. 1210 FF-Bio-Vitalsandwich

Obwohl die Jausenplatte verlockend aussieht, fällt unsere Wahl auf den Schweizer Wurstsalat. Dazu essen wir die lecker belegten Vitalsandwiches, XXL- Kornspitz und Vinschgauer, die unsere Hotelwirtin heute früh frisch aufgebacken und liebevoll zubereitet hat. Dank dieser kohlenhydrat,- eiweiß,- und mineralstoffreichen Zwischenmahlzeit fühlen wir uns rasch wieder fit für den letzten Teil der heutigen Wanderetappe. Sie wird uns nach etwa drei Stunden Fußmarsch in den bekannten Wintersportort Lech am Arlberg führen.

Wolli und das Walnuss-Duell

Kraftvoll saust der kleine Hammer auf die braune, grobrissige Schale. Ihr lautes Splittern verrät, dieser Schlag hat gesessen! Verstohlen blicke ich auf meine Kontrahenten, die mit mir um den Titel des dorfbesten Walnussknackers wetteifern. Noch ist nichts entschieden…

„Was machen wir nur mit so vielen Walnüssen?“, klagt meine Mutter und stellt zwei weitere, prall gefüllte Weidenkörbe auf dem Boden des Dachgeschosses ab. „Keine Ahnung“, erwidere ich und betrachte die reiche Nussernte, die auf Zeitungspapier trocknend die gesamte Bodenfläche des Dachgeschosses bedeckt. „Du hast recht, wir müssen uns etwas einfallen lassen“, stimme ich ihr zu. „Sonst können wir unseren Dachboden bald nicht mehr betreten“.

Walnüsse

Walnüsse

Die rettende Idee entsteht am nächsten Morgen in der Backstube. Wie wäre es, wenn wir auf dem Landcafé-Weihnachtsmarkt unterschiedliche Spezialitäten aus Walnüssen anbieten? Sofort fallen mir die herzhaften Walnuss-Traumstollen ein, die seit Mitte November sicher verpackt in einem Lagerraum auf ihren Anschnitt warten. Bis zum Start des Weihnachtsmarktes bleibt außerdem noch genügend Zeit um leckere Weihnachtsplätzchen aus Walnussteig zu backen. Sehr beliebt sind auch die Bio-Walnussbrote, die wir vor allem im Winter anbieten. Doch so vielversprechend meine Ideen auch klingen mögen: Mit drei Walnuss-Spezialitäten allein füllen wir noch keinen Weihnachtsmarkt-Stand. Hoffnungsvoll mache ich mich auf die Suche nach weiteren ausgefallenen Walnuss-Kreationen.

Focaccia mit Walnuss-Pesto? Skeptisch runzelt meine Mutter die Stirn während sie zögernd in das knusprig-warme, mit Rucola, Käse, Putenfleisch und Pesto gefüllte Weißbrot beißt. Sofort hellt sich die Miene meiner wichtigsten Kritikerin auf: „Wolli, das schmeckt großartig!“ Damit ist über das Schicksal unserer braunschaligen Gäste auf dem Dachboden entschieden. Hätte ich doch nur geahnt, welch harte Nuss ich mir mit dieser Entscheidung aufbürde!

„Hallo Wolli, wie ist die Lage?“, fragt mein Freund Anton, als er am frühen Abend die Küche im Landcafé betritt. „Miserabel“, antworte ich gereizt. Seit Stunden sitze ich nun schon vor dem massiven Eichenholz-Esstisch inmitten unzähliger Schalensplitter und schlage mit einem kleinen Holzhammer auf die widerstandsfähigen Walnüsse ein. Der Hammer hat sich inzwischen als das bisher komfortabelste Werkzeug zum Öffnen der Nussschalen erwiesen. Immerhin konnte ich so die Stückzahl pro Stunde deutlich steigern. Trotzdem leert sich der bis zum Rand mit Walnüssen beladene Wäschekorb im Zeitlupentempo. „Brauchst du die Nusskerne tatsächlich alle in diesem Jahr oder arbeitest du schon für die nächste Adventszeit vor?“ Anton kann sich eine spöttische Bemerkung angesichts meines Elends nicht verkneifen. „Wenn du mich ärgern willst, hau besser ab!“, fauche ich ihn wütend an und stelle die Schale mit den Nusskernen zur Kontrolle auf die Küchenwaage. Beim Blick auf das Wiegeergebnis taumelt meine Geduld endgültig gen Nullpunkt: Es fehlen noch immer 600 Gramm Walnusskerne.

Schließlich kann Anton meine schlechte Laune nicht mehr ertragen und verlässt die Küche. Zu meiner Überraschung kehrt er wenige Minuten später mit einem pfeifenähnlichen Nussknacker aus Holz zurück. „Probier es doch mal mit dieser Nuss-Schraubenpresse“, muntert er mich auf und drückt mir das hölzerne Werkzeug in die Hand.
Angelockt von den Hammerschlägen haben inzwischen auch mehrere Gäste aus der Dorfwirtschaft den Weg in die Küche gefunden. Sie alle scheinen fachkundige Walnuss-Liebhaber zu sein, selbstverständlich hat jeder von ihnen den mit Abstand besten Nussknacker im Einsatz. Schnell entwickelt sich aus dem anfangs wohlwollenden Expertengespräch ein hitziges Wortgefecht über die Vor- und Nachteile unterschiedlicher Nussknacker. Wer ist der Stärkste? Führt etwa der hölzerne, als Husar bemalte Nussknacker das Feld an oder sind ihm die Nussknackerzangen, die Bechernussknacker oder die Walnusssplitter weit überlegen? Als zu guter Letzt ein muskulöser Kraftprotz damit prahlt, dass er zum Öffnen der Nussschalen lediglich eine weitere Walnuss benötigt, ringe ich endgültig um Fassung. Doch halt: Warum soll ich mich ärgern? Es gibt doch einen viel besseren Weg!

„Ihr wollt wissen welcher Nussknacker der Beste ist?“, rufe ich provokativ in die Runde. „Gut, probieren wir es aus! Ich fordere euch zum Duell. Sieger ist, wer nach zehn Minuten die meisten Nusskerne in sein Dessertschälchen gesammelt hat. Einverstanden?“

Walnussöl

Walnussöl

„Fünf, vier, drei, zwei, eins und stopp!“ Auf die Sekunde genau beendet der Schiedsrichter unseren Wettstreit. Sichtlich erschöpft lehnen sich die Kontrahenten zurück, keine Frage, hier hat jeder vollen Einsatz gezeigt. Verstohlen werfe ich einen Blick in die Dessertschälchen meiner Gegner und atme auf. Der Plan hat funktioniert! In den Schälchen liegen die restlichen 600 Gramm Walnusskerne für das Pesto!

Am Ende dieses Tages steht eines fest: Nie wieder werde ich Walnüsse unterschätzen. Ein versöhnlicher Gedanke ist jedoch das feine Walnussöl, das bald in der nahegelegenen Ölmühle aus den noch verbliebenen Nüssen entsteht.

Wollis Sommermärchen

Fußball-WM

Fußball-WM

„Jetzt nur nicht stolpern“, mahne ich mich und trage stolz den zehn Kilogramm schweren Karton zum Auto. Noch ahne ich nicht, welche Folgen der soeben erworbene Beamer haben wird…
„Ein Bild sagt mehr als tausend Worte“, sagt der Volksmund und tatsächlich wirken Bilder oft stärker auf den Betrachter als das geschriebene oder gesprochene Wort. Bilder vereinfachen Inhalte, geben Orientierung und sorgen dafür, dass wir uns Zusammenhänge leichter merken können. Vielleicht ist unser Wunsch nach Bildern deshalb so groß.

Bilder, die im Großformat an die Wand geworfen werden, scheinen auch für Veranstaltungen immer wichtiger zu werden. Erst in der vergangenen Woche hat sich ein Unternehmen aus der Nachbarstadt entschlossen, ihr firmeninternes Seminar nicht im Saal des Landcafés zu veranstalten. Grund für die Absage war, dass meine Mutter und ich keinen Beamer für die Veranstaltung bereitstellen konnten. Ähnlich enttäuscht haben die Eltern eines Brautpaares reagiert, die am Hochzeitsfest mit einer Bildershow an die Kinderzeit der Frischvermählten erinnern wollten. „Wolli, es hilft nichts, wir brauchen einen Beamer“, erklärt meine Mutter und schaut mich auffordernd an. Widerwillig stimme ich zu und mache mich auf die Suche nach einem geeigneten digitalen Projektor. „Hoffentlich habe ich mit diesem Gerät keine Fehlentscheidung getroffen“, grübele ich während ich den Kleintransporter durch den dichten Stadtverkehr zurück zum Landcafé manövriere.

Das war wohl nichts!

„Schalten Sie alle angeschlossenen Geräte ein, der Projektor sucht selbstständig nach Eingangssignalen“, lese ich in der Bedienungsanleitung. Sofort starte ich das Notebook und verfolge gespannt die Reaktion des Projektors. Gleich wird er sein erstes Bild auf die Wandoberfläche werfen! Doch meine Vorfreude wird herb enttäuscht: „Kein Eingangssignal gefunden“, projiziert der Beamer stattdessen an die weiße Zimmerwand. Ratlos blättere ich im Handbuch. Wie ist das möglich? Ich habe doch alle Anweisungen genau befolgt! Nach fünf weiteren Fehlversuchen gebe ich frustriert auf. So ein Mist! Die Freude an dem neuen Gerät ist mir gründlich vergangen.

 

HDMI – nun ist die Verwirrung komplett

Frauen-Fußball-WM

Frauen-Fußball-WM

„Wow, mit diesem Beamer hast du eine gute Wahl getroffen“, lobt mein Freund Anton und pfeift anerkennend durch die Zähne als er am frühen Sonntagabend den neuen Projektor auf meinem Schreibtisch sieht. „Ach tatsächlich?“, fauche ich zurück. „Vielleicht wirft die „gute Wahl“ endlich einmal Bilder statt Fehlermeldungen an die Wand!“ „Nun bleib mal locker“, grinst Anton während er das Eingangssignal an dem Projektor korrigiert. Und tatsächlich: Wenige Sekunden später bildet der Beamer ein gestochen scharfes Testbild auf der weißen Wandoberfläche ab. Na also, warum nicht gleich so?

„Wolli, dein neuer Beamer besitzt sogar einen HDMI-Eingang“, ruft Anton begeistert und legt die Bedienungsanleitung zurück auf den Schreibtisch. „Einen was?“, frage ich verwirrt. „HDMI steht für High Definition Multimedia Interface und ist eine Schnittstelle, die hochauflösende Bilder in HD-Qualität überträgt“, erklärt Anton. „Hol mal deinen Receiver aus dem Wohnzimmer, dann zeige ich dir wie eine HDMI-Schnittstelle arbeitet“. Wortlos gehe ich zum Phonoschrank, löse die Kabelverbindung zwischen Fernseher und Receiver und kehre mit dem Empfangsgerät, dem Receiver-Kabel und der Fernbedienung in mein Büro zurück. „Gleich wirst du staunen“, verspricht Anton während er die beiden Geräte miteinander verbindet und anschließend den Verstärker meiner Stereoanlage an den Beamer anschließt.

Fußball-WM der Frauen und wir sind live dabei!

fit-for-fun

Naturkrüstchen fit-for-fun

Die fröhliche, ausgelassene Stimmung der über 73.000 Fans in den Zuschauerrängen des Berliner Olympiastadions nimmt uns sofort gefangen. Aufmunternde Sprechchöre, unzählige schwarz-rot-goldgestreifte Flaggen, rhythmische Paukenschläge, es ist, als ständen wir direkt in diesem tobenden Kessel. „Hey Wolli, wir sehen das WM-Auftaktspiel der deutschen Frauen-Fußballnationalmannschaft gegen Kanada“, ruft Anton aufgeregt. „Unglaublich“, antworte ich tonlos und lasse mich auf meinem Bürostuhl fallen.
„Tolle Flanke von Melanie Behringer auf Kerstin Garefrekes“, kommentiert der Reporter, „die Mittelstürmerin nimmt den Ball sicher an und schießt“. „TOOOR!“, brüllen Anton und ich wie aus einem Munde und springen ruckartig von unseren Stühlen auf. „Wir sollten die Dorfwirtschaft zur Public Viewing Area erklären“, schreie ich gegen den lautstarken Jubel der Fußballfans an. „Super Idee, das machen wir!“, ruft Anton zurück. „Und wer bringt das deiner Mutter bei?“

Public Viewing im Landcafé – eine runde Sache

Kickerbrötchen

Kickerbrötchen

„Public Viewing bei uns im Landcafé, warum sollte ich etwas dagegen haben?“, fragt meine Mutter erstaunt als ich ihr am späten Abend von unseren Plänen berichte. „Schau, dieses Infoblatt kam vor einigen Tagen mit der Post, dort findest du bestimmt tolle Tipps für das Public Viewing“, fügt meine Mutter hinzu und legt mir den EDNA-Flyer mit Highlights zur Fußball-WM auf den Küchentisch. „Der kommt wie gerufen“, denke ich und lese mir aufmerksam das Rezept für die EDNA-Kickerbrötchen durch. Lecker sieht auch das Rezept „Natur-Krüstchen „fit for fun“ für das Natur-Krüstchen aus. Kurzentschlossen logge ich mich in den EDNA Online-Shop ein und bestelle einen Karton mit Kickerbrötchen und einen Karton mit Naturkrüstchen. Für das passende Ambiente sorgen kühles Bier, leckere Snacktaschen und herzhafte Sandwich-Ecken. Die gute Stimmung zaubern ganz sicher die deutschen Fußball-Frauen in den Saal. Dann wird das Sommermärchen im Landcafé im wahrsten Sinne eine runde Sache.

Wolli auf Wechselkurs – welche Veränderungen bringt das neue Jahr?

Eröffnen wir im April eine Frühstückspension, ja oder nein? Seit Tagen drücke ich mich vor dieser Entscheidung. Meine Mutter hingegen verfolgt ihre Idee mit Nachdruck.

„Warum sollen dein Vater und ich nicht die leer stehenden Zimmer in unserem Bauernhaus herrichten und an Übernachtungsgäste vermieten?“, fragt meine Mutter bei unserem gemeinsamen Frühstück. Ich zuckte zusammen als hätte mich eine spitze Nadel getroffen: „Bitte Mutter, lass uns nicht schon wieder über dieses Thema diskutieren. Du kennst doch meinen Standpunkt“.

Seit Tagen liegt sie mir mit dieser fixen Idee in den Ohren. Und mindestens genauso lange versuche ich einer Entscheidung auszuweichen. Sicher, seit die Großeltern verstorben sind und meine Schwester in eine andere Stadt gezogen ist, bewohnen meine Eltern das große, über 250 Jahren alte und liebevoll gepflegte Bauernhaus allein. Oft hat meine Mutter die vielen, ungenutzten Räume und die ungewohnte, fast beängstigende Stille im Haus beklagt. Vor drei Jahren, kurz nachdem meine Eltern aus Altersgründen aus der Milchviehhaltung ausstiegen, begann mein Vater das über 400 Quadratmeter große Bauernhaus Schritt für Schritt umzubauen. Im Zuge dieser Maßnahmen haben sich meine Eltern eine moderne, altersgerechte Wohnung im ersten Obergeschoss des Bauernhauses eingerichtet. Gleichzeitig entstand im Dachgeschoss eine schöne, 140 Quadratmeter große Wohneinheit, in der ich jetzt lebe. Die Räume im Erdgeschoss des alten Bauernhauses sind seit dem Umbau unbewohnt und werden nur hin und wieder als Gästeschlafzimmer genutzt. Exakt diese Räume möchte meine Mutter jetzt renovieren und künftig an Pensionsgäste vermieten.

Frühstücksbrötchen

Frühstücksbrötchen

„Das alte Wohn- und Esszimmer mit dem großen Kachelofen könnten wir in einen behaglichen Frühstücks- und Aufenthaltsraum verwandeln“, überlegt meine Mutter, während sie in ein frisches, süßes FF-Frühstücksbrötchen beißt. „Mutter, noch vor wenigen Wochen hast Du mich mit deutlichen Worten an unsere begrenzten Zeit- und Personalressourcen erinnert. Daher verstehe ich nicht, warum du jetzt unbedingt eine Frühstückspension eröffnen möchtest!“, mache ich meinem Ärger Luft.
„Weil ich schon immer eine Frühstückspension führen wollte“, antwortet meine Mutter leicht gereizt. „Außerdem wirst du meine Hilfe im Landcafé und in der Dorfbäckerei in Zukunft nicht mehr so häufig benötigen. Meine Aufgaben übernehmen ja jetzt deine neuen Mitarbeiter“, fügt sie hinzu.

Die neuen Mitarbeiter – Fluch oder Segen

Aha, daher weht der Wind. Meiner Mutter missfällt offensichtlich die Personalentscheidung, die ich Ende Dezember zusammen mit meinem Steuerberater getroffen habe. Dabei hat der Steuerfachmann und langjährige Freund der Familie in erster Linie die guten Betriebsergebnisse gelobt, die ich mit Unterstützung meiner Eltern seit der Eröffnung des Landcafés und der Dorfbäckerei erzielt habe. „Aus wirtschaftlicher Sicht spricht nichts dagegen, zwei Mitarbeiter einzustellen, die dich in der Backstube und im Verkauf unterstützen, Wolli“, erwiderte er auf meine Frage und klopfte mir anerkennend auf die Schulter. Kurzentschlossen habe ich auf dem Rückweg einen Zwischenstopp bei unserem städtischen Zeitungsverlag eingelegt und zwei Stellenanzeigen gebucht. Seit gestern gehören nun der Bäckergeselle Franz und die Bäckereifachverkäuferin Sonja zum Team.

„Ich möchte, dass uns Sonja und Franz entlasten“, versuche ich meiner Mutter zu erklären. „Du hast in den vergangenen Monaten wahrlich genug im Landcafé und in der Dorfbäckerei gearbeitet. Doch statt dir jetzt etwas mehr Ruhe zu gönnen, befürchtet du, überflüssig zu werden und stürzt dich kopfüber in das nächste Großprojekt“, mache ich meinen Ärger Luft. „Falsch!“, unterbricht mich meine Mutter. „Ich werde die günstige Gelegenheit nutzen und mir einen langgehegten Wunsch erfüllen“, ergänzt sie und beginnt den Frühstückstisch abzuräumen. „Wir werden sehen“, seufze ich und beschließe am Nachmittag noch einmal mit meinem Vater über Mutters Pläne zu sprechen.

„Lass sie gewähren“, schmunzelt mein Vater und nickt mir aufmunternd zu. „Wir kennen doch beide den Dickschädel deiner Mutter. Letztendlich hängt ihr Projekt von der Kreditzusage unserer Hausbank ab“. „Du glaubst also nicht daran, dass Mutter ihre Idee umsetzt und eine Frühstückspension eröffnet?“, frage ich fast ein wenig erleichtert. „Sie soll es probieren“, antwortet mein Vater und schaut mich an. „Ich werde deine Mutter bei der Verwirklichung ihrer Idee unterstützen. Trotzdem befürchte ich, dass sie keinen Erfolg haben wird“.
Ob er Recht behält?

Süßes oder Saures?

Halloween-Party im Landcafé

„Sag mal, was tust Du da eigentlich?“, fragt meine Mutter mit argwöhnischem Unterton in der Stimme, während ich keuchend den siebten Riesenkürbis von meinem Kleintransporter in die Küche im ersten Stock der ehemaligen Maschinenhalle schleppe. „Ich bereite für nächste Woche eine Halloween-Party vor“, rufe ich ihr zu und wuchte einen weiteren, mindestens zehn Pfund schweren „Happy Jack“ von der Ladefläche meines Pkws in Richtung Küche. „Halloween“, wiederholt meine Mutter. „Klingt lustig. Was feiert man denn da?“ Schweißgebadet setze ich den orangefarbenen Riesenkürbis auf der Treppenstufe ab: „Komm mit Mama, ich zeig es Dir“…

Acht Kürbisse auf einen Streich

Halloween-Kürbis

Halloween-Kürbis

Gemeinsam tragen wir den letzten Kürbis in die Küche meiner Dorfwirtschaft und heben ihn auf die Arbeitsfläche. Voller Tatendrang betrachtet meine Mutter die vor ihr liegenden acht Riesenkürbisse: „Und jetzt?“ „Zuerst schnitzen wir die Jack O‘ Laternen“, antworte ich und schneide mit einem scharfen Küchenmesser eine Art Deckel vom oberen Teil jedes Kürbis ab. Mit Hilfe eines Kugelschreibers, einiger Bögen Blaupapier und den vorbereiteten Papierschablonen zeichne ich fratzenhafte Gesichter mit großen Augen und weit aufgerissenen Mäulern auf die vorderen Kürbisoberflächen. Aufmerksam und mit fragender Miene schaut mir meine Mutter zu: „Weißt Du Mama, Halloween ist das Fest der Geister und Hexen“, erkläre ich ihr. Es stammt aus Irland und wurde viele Jahre nur innerhalb der katholischen Bevölkerung gefeiert. Über irische Auswanderer gelangte Halloween nach Nordamerika und wurde dort von anderen Bevölkerungsgruppen übernommen. Heute wird das Fest der Hexen und Geister weltweit gefeiert“. „Ich verstehe“, antwortet meine Mutter. „Und welche Bedeutung haben die Kürbisse?“

Eine List und ihre Tücken: Jack Oldfields langer Weg in die Hölle

„Halloween erinnert an den irischen Bösewicht Jack Oldfield, dem es mit einer List gelang, den Teufel gefangen zu nehmen“, ergänze ich und versuche meiner Stimme einen geheimnisvollen Klang zu geben. Dieser Jack O’ war überzeugt, sein Schicksal für immer zum Guten gewendet zu haben, als er dem Beelzebuben das Versprechen abnahm, ihn für immer in Ruhe zu lassen. Doch es kam anders: Statt in den Himmel aufzusteigen, wurde Jack O‘ nach seinem Tod in die Hölle verbannt. Dort erinnerte ihn der Teufel an das gegebene Versprechen und wies ihn am Eingang zur Hölle zurück. Nachdem Jack Oldfields Seele sehr lange ziellos herumgeirrt war, erbarmte sich der Teufel schließlich, schenkte Jack O‘ ein Stück glühende Kohle und eine Mohrrübe und schickte ihn mit diesen Hilfsmitteln ausgestattet auf den Weg durch die Hölle. An Stelle der Mohrrübe leuchten heute Kürbisse in der Nacht vom 31. Oktober auf den 1. November und erinnern an die beschwerliche Reise des irischen Bösewichtes durch die Dunkelheit. Die leuchtenden, fratzenhaften Kürbisse sind auch als Jack O’ Laternen weltweit bekannt.

Heiß und fein: Kürbissuppe für Halloween

„Das ist wirklich eine schaurige Geschichte“, meint meine Mutter, während sie mit einem Eiskugelformer den letzten der acht Riesenkürbisse aushöhlt. „Weißt Du schon, wie viele Gäste zu Deiner Halloween-Party kommen?“ „Angemeldet haben sich siebzig Personen“, antworte ich und leere die letzte Schüssel Kürbisfleisch in den großen Suppentopf. Dann zerkleinere ich die Kürbismasse mit dem Stabmixer, füge noch etwas Ingwer, Orangensaft, Pfeffer, Salz und Sahne hinzu und fertig sind 15 Liter Halloween-Partysuppe. Während die Kürbissuppe abkühlt, starte ich den Computer in meinem Büro um die Brötchen, Brote und Snacks für das Party-Büfett zu bestellen. Lecker zur Kürbissuppe, den Salaten und den Wurst- und Käseplatten schmecken ganz bestimmt die Kürbiskernbrötchen und das Kürbiskernbrot. Auch die gefüllten Bananendonuts und die Donuts mit Schoko- und Vanilleglasur lachen mich an. Ich lege vier Mischkisten Donuts in den Warenkorb und mache mich erneut auf die Suche nach pfiffigen Halloween-Ideen.

Pfiffige Artikel für Halloween

In der Kategorie Halloween & Herbstzeit unter dem Menüpunkt Anlässe/Themenweltent  werde ich fündig. Sofort fällt mein Blick auf die Halloween-Schoko-Aufleger. Sie kommen als süßer Snack auf dem Büfett bestimmt gut an und sind eine tolle Überraschung für alle Kinder, die an Halloween in die Dorfbäckerei kommen und mit dem traditionellen Spruch „Süßes oder Saures“ um Süßigkeiten bitten. Nachdem die Service-Artikel eine Lieferzeit von 3-5 Werktagen haben, sollte ich rechtzeitig bestellen. Nach kurzem Überlegen entscheide ich mich für Butter-Halloween-Gebäck, Halloween-Schoko-Aufleger, Halloween-Pralinen und Schoko-Täfelchen „Halloween“. Um kurz vor Mitternacht lege ich alle Artikel in den Warenkorb und schicke die Bestellung ab, als mich ein lauter, durchdringender Schlag zusammenfahren lässt. Was um Himmels Willen war das?

Um Mitternacht ist Geisterstunde, Wolli!

Entsetzt springe ich vom Stuhl auf und starre auf die Bürotür, die soeben mit lautem Schlag an das dahinterstehende Regal geknallt ist. Vor mir steht eine kleine, buckelige Gestalt mit zerbeulten, spitz zulaufendem Filzhut und wirrem, grauem Haar, die sich schwerfällig auf einen unserer alten Hofbesen stützt. Mich schaudert es beim Anblick der klaffenden Zahnlücke im Oberkiefer der Alten, dem gesprungenen Glas der schiefen Nickelbrille und dieser furchtbaren Warze unterhalb der Oberlippe. Ein übler, atemberaubender Gestank nach Mottenkugeln und feuchtem Keller breitet sich in meinem Büro aus. Nur mühsam gewinne ich meine Fassung zurück: „Mama!“
„Gell, jetzt habe ich Dir einen gehörigen Schreck eingejagt“, grinst meine Mutter und entblöst erneut die widerliche Zahnlücke. „Jetzt, da mir das alte Faschingskostüm noch passt, darf ich doch bestimmt auch auf Deine Halloween-Party kommen oder?“ „Meinetwegen“, stöhne ich und lasse mich ermattet auf meinen Bürostuhl fallen. „Aber waschen solltest Du Dich vorher!“

Das Landcafé erwacht zum Leben

landcafe

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Es ist das spannendste Abenteuer meines Lebens. Und zugleich das Kühnste.

Richtig verinnerlicht habe ich meine neue Situation ehrlich gesagt noch nicht. So ist das, wenn man in den Sog einer Idee gerät und den Ausstieg nicht rechtzeitig findet. Oder nicht finden will, weil diese Idee, trotz der vielen harten Arbeitsstunden, die hinter mir liegen, einen geradezu fesselnden Charme hat. Jetzt gibt es kein Zurück mehr. Die Dinge sind entschieden, meine Aufgabe für die kommende, hoffentlich unbestimmte Zeit steht fest: Ich werde ein Landcafé führen. Mein Landcafé.

Das Abenteuer beginnt mit einer alten, staubigen Maschinenhalle. Ihre Fensterscheiben sind zerschlagen, die schmutziggrauen Wände tragen die Spuren einer jahrzehntelangen Nutzung. Das Dach ist gezeichnet von Stürmen und Gewittern, die über es hinweg gefegt sind. Nachdem meine Eltern aus Altersgründen ihren Milchviehbetrieb aufgaben, begannen sie, für die nun ungenutzten Gebäude eine neue Verwendung zu finden. Übrig blieb die alte Maschinenhalle, die über viele Jahre den Traktor und damit den Stolz der Familie beherbergte.

„Sie ist ein Schandfleck“ wetterte meine Mutter und forderte rigoros ihren sofortigen Abriss. Vielleicht sorgten sentimentale Erinnerungen dafür, dass ihr Appell ohne Folgen blieb, vielleicht sicherte aber auch die geringe Lust meines Vaters auf Baumaßnahmen den Erhalt der alten Halle. So stand sie auch noch an dem Tag, als die einzige Gastwirtschaft im Ort für immer ihre Pforten schloss. Diese Gastwirtschaft war gewiss kein Nobelrestaurant und weit davon entfernt, Michelin-Sterne für seine exklusive Küche zu gewinnen. Aber sie bildete den kommunikativen Mittelpunkt unserer Ortsgemeinde. Hier wurden Familienfeiern abgehalten, hier trafen sich die Vereinsmitglieder zum geselligen Umtrunk und hier dauerten die Schafkopfrunden üblicherweise bis zum Morgengrauen. Kurzum: Die entstandene Lücke musste schnellstmöglich geschlossen werden.

Doch das war leichter gesagt als getan. Das Gebäude, in dem die Gastwirtschaft bisher untergebracht war, wurde an einen Privatinvestor verkauft, Alternativen standen im Ort nicht zur Verfügung. Fast hätten wir uns mit unserem Schicksal abgefunden. Dann hatte meine Mutter die zündende Idee: „Wolli, wie wäre es, wenn wir die alte Maschinenhalle zur Dorfwirtschaft umbauen würden?“ Schnell fand ihr Vorschlag Zustimmung. Gleichzeitig wurden Stimmen laut, die neben der Dorfwirtschaft auch eine bessere Versorgung der Dorfgemeinschaft mit frischen Lebensmitteln forderten. Besonders groß war der Wunsch nach frischen Backwaren. „Wolli, das wäre doch ideal für Dich. Dann könntest Du neben der Dorfwirtschaft auch Deine eigene kleine Bäckerei eröffnen und so endlich etwas aus Deiner Ausbildung zum Bäcker und Konditor machen“, schlug meine Mutter vor.

Und heute, gefühlte 1000 Tage Rückenschmerzen, viele Bankgespräche und ungezählte Formulare später, ist das erste Etappenziel erreicht: Wir haben die alte Maschinenhalle in ein wunderschönes Landcafé verwandelt. Und damit nicht genug: Während eines Bauabschnittes wurden eine Zwischendecke und zusätzliche Wände in die riesige Halle eingezogen. Dadurch sind viele neue Räume entstanden, die auf zwei Etagen verteilt sind. In einem dieser Räume im unteren Stockwerk habe ich eine hübsche, kleine Dorfbäckerei eingerichtet. Der Verkaufsraum ist direkt mit dem Landcafé verbunden und über einen neu angelegten Pflasterweg vom alten Obstgarten her erreichbar.

Im gleichen Stockwerk auf der Westseite des Gebäudes befindet sich die Dorfwirtschaft mit einer kleinen Küche und den sanitären Anlagen.

Unter dem Dach der ehemaligen Maschinenhalle entstand ein über 200 Quadratmeter großer Saal. Er ist über das neue Treppenhaus oder über einen Aufzug erreichbar und besitzt auf der Stirnseite eine kleine Bühne. Außerdem haben wir eine Theke mit Getränkeausschank in den Saal integriert. Damit ist er optimal ausgestattet um dort stimmungsvolle Firmen- und Vereinsfeste zu feiern.

In zwei Wochen werde ich das Landcafé und die Dorfbäckerei eröffnen. Sogar der Bürgermeister und der Landrat haben sich zur offiziellen, feierlichen Schlüsselübergabe angesagt. Ich bin nervös wegen des Buffets. Was soll ich anbieten? Es wird höchste Zeit mit den Vorbereitungen zu beginnen!