12. Dezember 2017

Wolli und das Tor zur Weltmeisterschaft

Nach vielen Wochen des Wartens ist es endlich soweit: Die Fußball-Weltmeisterschaft in Brasilien hat begonnen. Das vermutlich spektakulärste WM-Tor fiel jedoch auf eher unbedeutendem Grün, in einem alten Obstgarten, hinter einem Landcafé, weit von den brasilianischen Stadien entfernt… 

Heimlich öffne ich die Tür zum Schuppen, husche hinein und taste mich vorsichtig bis zu der drei Meter hohen Spannplatte vor, die unter einer Folie verborgen in der Mitte des Raumes auf dem Boden liegt. Prüfend gleitet meine Hand über die grün lackierte Oberfläche. Erst gestern habe ich mit Hilfe einer Stichsäge zwei runde, 60 Zentimeter breite Löcher in die massive Platte gesägt, eines im linken oberen, das andere schräg gegenüber im rechten unteren Eck. Damit die ausgesägten Bereiche auch aus der Distanz gut sichtbar sind, habe ich sie anschließend dick mit weißer Farbe umrandet und sie so optisch von der grünen Grundfläche  hervorgehoben. Zufrieden betrachte ich mein Werk: Jetzt muss ich nur noch zwei stabile Holzstützen für den sicheren Stand montieren und fertig ist sie: Die erste Landcafé-WM-Torwand!

Public Viewing im Landcafé

Hot Dog Brötchen

Hot Dog Brötchen

Hau ruck! Bereits zwei Stunden später tragen zwei WM-begeisterte Mitglieder des Fußballvereins die neue Torwand aus dem Schuppen und stellen sie im alten Obstgarten hinter dem Landcafé auf. Gut gelaunt beobachte ich die Aktion vom Küchenfenster aus während ich mit den Vorbereitungen für den gemeinsamen Fußballabend im Saal des Landcafés beginne. Wenn am Samstagabend die deutsche Fußballnationalmannschaft ihr zweites Spiel bei der Fußball-WM in Brasilien absolviert, startet gleichzeitig wieder das Public Viewing im Saal des Landcafés. Die Idee entstand vor einigen Wochen und hat vor allem die Mitglieder der ortsansässigen Sportvereine begeistert. Sie haben mir anschließend auch geholfen, die große Leinwand an der Wand zu montieren, den Beamer zu installieren und den Saal mit neuen Boxen auszustatten, sodass jetzt ebenfalls für eine gute Akustik gesorgt ist. Die Torwand dagegen ist mein Einfall. Mit ihr möchte ich die Fußballfans überraschen und für zusätzlichen Spaß in der Halbzeitpause sorgen.

Es muss nicht immer Bratwurst sein

Bagel

Bagel

Gute Laune verbreitet bestimmt auch das Buffet, das ich für den ersten gemeinsamen Fußballabend plane. Bei der Auswahl und Zusammenstellung der Sandwiches, Snacks und Salate und habe ich mich bewusst für sommerlich frische und fitnessbetonte Vorschläge entschieden, die gleichzeitig einen Hauch von Rios Copacabana auf den Teller bringen. Meine Wahl fiel auf Bagels mit Caipirinha-Creme, gebratener Putenbrust und frisch gehacktem Koriander. Außerdem stehen Kickerbrötchen mit Thunfisch und Avocado-Tomatensalat sowie Hot Dogs mit Guacamole, pikant gewürzten Mangoscheiben und gebratenem Hähnchenfleisch auf dem Plan. Die Rezeptideen habe ich bei meinem letzten Einkauf im EDNA Online-Shop entdeckt und sofort ausprobiert. Einfach lecker!
Zu meiner Freude habe ich dort auch die lang gesuchten, dekorativen Mini-Schalen und Gläser gefunden, in denen ich am Montag die nach einem Originalrezept zubereiteten brasilianischen Empanadas und den Mango-Gurkensalat servieren werde. Zu trinken gibt es gut gekühltes Bier, Caipirinha und erfrischende, alkoholfreie Cocktails.

Der Goalgetter

Kickerbrötchen

Kickerbrötchen

„Wolli vor, schieß ein Tor!“, feuern mich die im Obstgarten versammelten Freunde an, als ich zum ersten Schuss auf die neue Torwand ansetze. Mit abgeklärtem Blick und eiskaltem Torjägerinstinkt fokussiere ich das linke obere Eck der Wand, lege mir den Ball zurecht, atme noch einmal tief durch und laufe an: Eins, zwei drei…
Beim vierten Anlaufschritt gerät irgend etwas mit meinen Beinen durcheinander. Ich stolpere, verliere das Gleichgewicht und spüre, wie mir der Boden unter den Füßen entgleitet. Entsetzt versuche ich die Kontrolle über meinen Körper zurückzugewinnen, leider vergebens. Ich falle, hilflos dem Gesetz der Schwerkraft folgend und lande mit einem harten Aufprall auf dem Hinterteil. Aus dieser Position verfolge ich benommen die Flugbahn meines rechten weißen Bäckerschlappens, der sich wie ein Bumerang geradewegs auf die Torwand zu bewegt. Für einen Augenblick halte ich den Atem an, dann ist es auch schon geschehen: Mein Schuh erreicht die linke obere Ecke der Torwand, fliegt durch das runde Loch und fällt irgendwo hinter der Sperrholzwand zu Boden. „Tooorrr!“, ertönt ein einsamer Jubelschrei vom Seitenrand, den übrigen Zuschauern hat es vor Lachen die Sprache verschlagen. Das runde Leder liegt währenddessen unberührt vor mir im Gras.

Mein spektakuläres Tor bleibt für Stunden Gesprächsthema Nummer eins im Landcafé. Ich selbst habe mich nach dem einschneidenden Goalgetter-Erlebnis erst einmal in meine Backstube zurückgezogen. Hier fühle ich mich deutlich wohler als auf dem Fußballplatz. An diesem Ort kann ich mich ablenken und dabei die erlittene Schmach und mein noch immer schmerzendes Hinterteil vergessen. Es tröstet mich, dass längst nicht jeder Fußballfan mit einem entsprechenden Spieltalent ausgestattet ist. Die Chance auf außergewöhnliche Treffer haben wir dagegen alle, jeder auf seine Weise. In diesem Sinne wünsche ich allen Fußballfreunden eine torreiche und spannende Weltmeisterschaft!

Über Wolli

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