18. November 2017

Bratapfelgeschichten aus dem Landcafé

„Apfel, Nuss und Mandelkern mögen alle Kinder gern“, heißt es in einem volkstümlichen Adventsgedicht. Tatsächlich sind Äpfel untrennbar mit der Weihnachtszeit und dem beginnenden neuen Jahr verbunden. Und das hat seinen  gutem Grund…

Bratapfel

Bratapfel

„Wolli, könntest Du bitte die Menükarte für Silvester schreiben?“, ruft mir meine Mutter zu als ich die Küche verlassen und mich in mein Büro zurückziehen will. Ach ja, das Silvestermenü. Vor sechs Wochen hat sie uns erstmals mit ihrer Idee, am Silvesterabend Familienmitglieder und Freunde zu einem großen, festlichen Silvesterdinner ins Landcafe einzuladen, konfrontiert. Mein Vater und ich waren von diesem Plan wenig begeistert, trotzdem haben wir die zukünftige Gastgeberin nicht mehr umstimmen können. Bereits am nächsten Tag hat sie voller Vorfreude mit den ersten Vorbereitungen begonnen, die Tischdekoration für die Festtafel entworfen und die Speiseabfolge des 5-Gänge-Menüs festgelegt.

Nein Mutter, das ist nicht dein Ernst!

Widerwillig nehme ich einige der edlen, einfarbig weißen Menükarten aus der Schutzhülle,  öffne den Federhalter und fülle die schwarze Tinte in das Reservoir. „Rotes Paprikaschaumsüppchen mit Vanille“ lese ich auf dem handgeschriebenen Notizzettel, den mir meine Mutter in der Küche noch rasch in die Hand gedrückt hat. Auch der Hauptgang des Festmenüs klingt wie ein Gedicht: Entenbrust auf Orangenjuice an püriertem Rahmsellerie. Beinahe bieder und gewöhnlich wirkt dagegen die Nachspeise des opulenten Silvestermenüs: Vanilleeis mit heißen Kirschen. Nein Mutter, das ist nicht dein Ernst! Kurz entschlossen greife ich in das Bücherregal, ziehe ein Rezeptbuch mit Dessertideen heraus und beginne ratlos darin zu blättern.

Zu üppig, zu aufwändig zu bieder…

Doch so sehr ich auch auf einen Geistesblitz hoffe, keine der Dessertvorschläge trifft ins Schwarze. An allen Kreationen habe ich etwas auszusetzen. Eine Nachspeise erscheint mir zu süß, die nächste zu üppig, eine dritte Dessertidee ist aufwändig und benötigt sehr viel Vorbereitungszeit. Frustriert lege ich das Buch zur Seite und beschließe in die Küche zu gehen und mir ein Stück Weihnachtsstollen zu holen.

„Kinder lauft schneller,
holt einen Teller, holt eine Gabel
und sperrt auf den Schnabel!
Für den Zipfel, den Zapfel,
den Kipfel, den Kapfel, den goldbraunen Apfel“,

Bratapfelplunder

Bratapfelplunder
Art. 8201310

wiederholt meine fünfjährige Nichte gedankenversunken, während sie an dem großen, schweren Küchentisch sitzt und malt. Ruckartig bleibe ich auf der Türschwelle stehen. Das ist sie! Das ist die perfekte Dessertidee für Mutters Silvestermenü! Hektisch drehe ich mich auf dem Absatz um, stürme die Treppe hinauf und lasse mich auf meinen Bürostuhl fallen. Vergessen sind Kaffee und Stollen, nun hat auch mich das Menüfieber gepackt. Dabei sehe ich ihn gedanklich schon vor mir, den goldbraun karamellisierten Bratapfel, gefüllt mit einer Mischung aus zerkleinerten Spekulatius oder Lebkuchen, Nüssen, Mandeln, Orangenstückchen, ein wenig Marzipan, etwas Vanille und einem Hauch Zimt. Anrichten werde ich die Äpfel auf einem Spiegel aus kräftiger, dunkler Schokolade, verfeinert mit einem Hauch Chili.  Das Dekor der Bratäpfel wird aus einem feinen Schokoladentopping, etwas Goldflitter und kleinen, aus Schokolade geformten Hufeisen und Kleeblättern bestehen.

Äpfel waren ein Privileg der Reichen

„Apfel, Nuss und Mandelkern mögen alle Kinder gern“, heißt es in einem volkstümlichen Adventsgedicht. Tatsächlich ist der Apfel die älteste kultivierte Frucht der

Bratapfel

Bratapfel

Menschheit. Die ersten Apfelbäume wuchsen vor etwa 10.000 Jahren im heutigen Zentral- und Westasien. Kaufleute brachten die einst holzigen und sauren Äpfel von ihren Handelsreisen mit nach Europa. Im Jahr 813 v. Chr. ließ Kaiser Karl der Große auf seinen italienischen Landgütern die ersten Apfelbäume anpflanzen. Wenige Jahre später waren die Obstbäume auch in den mittelalterlichen Klostergärten weit verbreitet. Der Genuss von Äpfeln blieb jedoch lange Zeit der reichen, gebildeten und einflussreichen Bevölkerung vorbehalten. So ist es zu erklären, dass der Apfel bis heute Macht, Reichtum, Liebe und Fruchtbarkeit symbolisiert.

Schon der heilige Nikolaus brachte am Weihnachtsabend Äpfel und Nüsse

Für die weniger privilegierte, oft Not leidende Bevölkerung war der Apfel ein Hoffnungszeichen und stand für die Überwindung der Armut und den Aufbruch in ein besseres, sorgenfreies Leben. Daher ist auch die Geschichte des heiligen Nikolaus eng mit Äpfeln verknüpft. Er soll jedes Jahr zur Weihnachtszeit durch die Stadt Myra gezogen sein und vergoldete Nüsse und Äpfel vor die Türen der Armen gelegt haben. So entstand vermutlich die enge Verbindung zwischen den Äpfeln und Weihnachten.

Äpfel bringen Glück, Wohlstand und Gesundheit. Diese Überzeugung hat sich bis heute gehalten. So ist es in vielen Regionen Deutschlands noch immer Brauch am Heiligabend einen Apfel oder ein Apfelgericht zu essen. In Nordrhein-Westfalen werden traditionell am Weihnachtsabend Äpfel verschenkt. Wichtig ist, dass die Beschenkten ihre Glücksäpfel sofort nach dem Erhalt verzehren. Nur dann lassen Wohlstand, Glück und Gesundheit im neuen Jahr nicht lange auf sich warten.

In diesem Sinne wünschen wir Ihnen ein frohes Weihnachtsfest und ein gutes, gesundes und erfolgreiches Jahr 2014!

Über Wolli

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