18. November 2017

Diagnose Glutenunverträglichkeit – und plötzlich ist alles anders

Diagnose Glutenunverträglichkeit – und plötzlich ist alles anders

Ich liebe Sandwiches. Vor allem meine eigenen Sandwich-Kreationen. Die Ideen für neue Geschmacksvarianten entstehen oft spontan und in den ungewöhnlichsten Momenten, etwa beim Aufräumen, beim Fensterputzen oder während des Telefonierens.

Mit heftigen Bauchschmerzen hat alles begonnen

Seit einigen Wochen ist mir die Lust auf leckere Sandwiches jedoch gründlich vergangen. Dabei dachte ich zunächst an eine Magenverstimmung, als mich wenige Minuten nach dem Verzehr einer Focaccia plötzlich heftige Magenkrämpfe quälten. Später kamen noch Durchfall, Kopfschmerzen und Übelkeit hinzu. Zu meinem Entsetzen hielten die Symptome in den Folgewochen an und wurden massiver, sobald ich etwas aß. Als ich dann schließlich stark an Körpergewicht verlor und mich nur noch müde durch den Alltag kämpfte, suchte ich einen Arzt auf. Seine Diagnose gab mir zunächst Rätsel auf: Glutensensitivität. Aha, und was bitte ist das?

Gluten ist ein Feind meines Körpers

Bei einer Glutensensitivität oder Glutenunverträglichkeit reagiert der menschliche Organismus überempfindlich auf das in vielen Getreidearten natürlicherweise enthaltene Gluten- oder Klebereiweiß. Verantwortlich für diese Reaktion ist meist eine genetische Veranlagung. Bei Kindern und Erwachsenen, die diese Disposition in sich tragen, löst die Aufnahme glutenhaltiger Lebensmitteln eine heftige, oft sehr schmerzhafte Abwehrreaktion im Darm aus. An diese Immunreaktion schließt sich häufig eine Entzündung des Dünndarms an, in deren Verlauf sich die Darmzotten nach und nach zurückbilden. Eine direkte Folge der Entzündung ist, dass die aufgenommene Nahrung größtenteils unverdaut im Darm verbleibt und die im Nahrungsbrei enthaltenen Nährstoffe nicht ausreichend herausgelöst werden.

Einziger Lichtblick: Konsequenter Verzicht auf Gluten

Doch die Darmzotten im Dünndarm haben noch eine weitere wichtige Aufgabe: Sie geben die aus der Nahrung isolierten Nährstoffe an das Blut ab und sorgen letztendlich dafür, dass die Körperzellen im Organismus ausreichend mit Aminosäuren, Fetten, Kohlenhydraten, Vitaminen und Mineralstoffen versorgt werden. Stehen im Verlauf einer Dünndarmentzündung zu wenige Darmzotten für die Nährstoffabgabe zur Verfügung, drohen körperliche Schwäche, Mangelerscheinungen und Unterernährung.
Glücklicherweise können sich Darmzotten gut regenerieren. Eine wichtige Voraussetzung ist jedoch, dass zunächst die Entzündung des Dünndarmes abklingt. Dieses geschieht in der Regel aber nur dann, wenn der Betroffene konsequent auf glutenhaltige Lebensmittel verzichtet.

Reis, Kartoffeln, Soja, Hirse und Amarant sind glutenfrei

Gluten- oder Klebereiweiß ist aus zwei unterschiedlichen Proteingruppen aufgebaut, Wissenschaftler bezeichnen die Gruppen als Gluteline und Prolamine. Neueste Untersuchungen weisen darauf hin, dass die Glutenunverträglichkeit vor allem durch Prolamine ausgelöst wird. Eine besonders glutenreiche Getreideart ist der Weizen. Hier steht vor allem das zu den Prolaminen zählende Gliadin im Verdacht, die gefürchtete Darmentzündung hervorzurufen. Aber auch Dinkel-, Gerste-, Roggen- und Haferkörner weisen sehr hohe Glutengehalte auf und können eine Abwehrreaktion im Darm auslösen. Glutenfrei und damit gut verträglich sind dagegen Reis, Kartoffeln, Mais, Soja, Amarant, Buchweizen, Quinoa, Tapioka und alle Hirsearten. Aus diesen Rohstoffen wird die leckere und gesunde Vielfalt glutenfreier Nahrungsmittel hergestellt.

Die Glutenunverträglichkeit ist weit verbreitet

Eine Glutenunverträglichkeit selbst ist nicht heilbar und klingt auch nicht selbstständig wieder ab. Der sicherste Schutz vor den schmerzhaften und gefährlichen Darmentzündungen ist und bleibt der konsequente Verzicht auf glutenhaltige Lebensmittel. Ich werde mich nun ebenfalls für immer glutenfrei ernähren müssen. Dieses Schicksal teile ich übrigens mit vielen anderen Bundesbürgern. Namhafte Wissenschaftler gehen davon aus, dass deutlich mehr Menschen unter einer Glutenunverträglichkeit leiden, als allgemein bekannt ist. Wesentlich seltener tritt dagegen die Zöliakie als schwerste Krankheitsform der Glutenintoleranz auf. Die Zöliakie wird auch als Sprue bezeichnet und kann im Gegensatz zur Glutenunverträglichkeit zweifelsfrei über entsprechende Antikörper im Blutserum des Erkrankten nachgewiesen werden. Dennoch ist nicht jeder Betroffene, der unter einer Glutenunverträglichkeit leidet, gleichzeitig von der Zöliakie betroffen. Auslöser beider Krankheitsformen ist jedoch die Glutenintoleranz.

Meine Favoriten sind glutenfreie Sandwiches

Um die glutenfreie Ernährung sicherzustellen, muss ich mich wohl zwangsläufig von meinen geliebten Sandwiches verabschieden oder? Nein, ganz so schlimm ist es nicht. Inzwischen gibt es viele glutenfreie Backwaren, die ausgezeichnet schmecken und sich bestens für neue, leckere und gut verträgliche Sandwich-Ideen eignen. Also rein in die Küche und einfach mal ausprobieren!

Über Wolli

Comments

  1. Manu Wester schreibt:

    Hallo,

    toller Blogbeitrag, aber ich habe dazu eine Frage.
    Ist eine Glutenunverträglichkeit nicht Zöliakie? Laut Eurem Blogbeitrag sind da ja zwei verschiedene Dinge, wenn ich das richtig verstanden habe.

    Gruß
    M. Wester

  2. Hallo Manu,
    tatsächlich hat die breite Öffentlichkeit bisher kaum zwischen einer Glutensensitivität (auch als Glutenunverträg-lichkeit bezeichnet) und einer Zöliakie unterschieden. Medizinische Studien, die vor kurzer Zeit zu diesem Thema veröffentlicht wurden, zeigen jedoch eindeutige Unterschiede zwischen den beiden Erkrankungen auf. Eine direkte Folge der Untersuchung war, dass nun immer mehr Mediziner und Betroffene streng zwischen der Zöliakie und einer Glutensensitivität unterscheiden. Und das hat zunächst für recht viel Verwirrung gesorgt.

    Beide Erkrankungen werden durch eine Glutenunverträglichkeit verursacht und äußern sich durch vergleichbare Beschwerden. Dazu gehören Übelkeit, Magenschmerzen, Unterleibskrämpfe, migräneartige Kopfschmerzen, andauernde Müdigkeit, Knochen- und Gelenkschmerzen oder ein auffällig starker Gewichtsverlust. Für die Behandlung beider Erkrankungen ist ein konsequenter Verzicht auf glutenhaltige Nahrungsmittel zwingend erforderlich.

    Im Gegensatz zur Glutenunverträglichkeit ist die Zöliakie jedoch eine Autoimmunerkrankung und steht als solche mit der Zuckerkrankheit Diabetes mellitus Typ 1 in einer Gruppe. Kennzeichen aller Autoimmunerkrankungen ist eine sehr heftige Abwehrreaktion des Organismus gegen vermeintliche Fremdstoffe oder Krankheitserreger. Dabei kann der Körper jedoch nicht mehr zwischen Freund und Feind unterscheiden und zerstört auch die mit ihm verbündeten, körpereigenen Substanzen. Ein autoimmunerkrankter Organismus befindet sich quasi im Dauerkrieg mit sich selbst. Dieser Kampf führt zu massiven Entzündungsreaktionen, die oft schwerwiegende Schäden an den betroffenen Organen hervorrufen.

    Die Zöliakie oder Sprue ist eine lebenslange Erkrankung. Sie äußert sich als chronische Darmentzündung in deren Verlauf sich die Darmzotten nach und nach zurückbilden. Wie schwer diese Läsionen sind, darüber gibt eine Gewebeuntersuchung (Biopsie) Auskunft. Bei Zöliakie-Patienten ist die Darmschleimhaut oft stark verändert, hier wird meist der mittlere bis höchste Schweregrad auf der sogenannten Marsh-Skala diagnostiziert. Bei Betroffenen, die unter einer Glutenunverträglichkeit leiden, sind die Zotten auf der Darmschleimhaut dagegen meist nicht oder nur leicht verändert. Diese Gewebeproben werden den Stufen 0 bis 1 der Marsh Klassifizierung zugeordnet. Je intakter die Darmschleimhaut ist, desto durchlässiger bleibt sie für Nährstoffe. Bei Zöliakie-Patienten ist die Nähstoffabgabe an das Blut damit deutlich stärker eingeschränkt als bei glutensensitiven Kindern und Erwachsenen.

    Deutliche Unterschiede zeigen sich auch im Blutserum der Betroffenen: Da die Zöliakie eine Autoimmunerkrankung ist, enthält das Blut der Patienten entsprechende „Zeugen“, die den Ärzten vom Kampf des Organismus gegen sich selbst berichten. Mediziner bezeichnen diese Zeugen als Marker. Charakteristisch für die Zöliakie sind zum Beispiel die Antigewebstransglutaminasen. Diese Marker sind im Blut von glutensensitiven Patienten dagegen kaum enthalten. Hier zeigt sich vielmehr, dass der Organismus lediglich Abwehrstoffe gegen das Gluten und seine Eiweißbausteine bildet. Bei rund 50 Prozent aller glutensensitiven Patienten lässt sich der Abwehrstoff IgA- Antigliadin (AGA) nachweisen und sichert so die Diagnose Glutenunverträglichkeit ab.

    Eine lange Antwort, aber es ist schwer, die Unterschiede kurz zu fassen.
    Viele Grüße
    Wolli

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