18. November 2017

Wolli und die heißen Hunde von Coney Island

Falscher Hase, Maultaschen, Bockwurst, kalter Hund oder das schwäbische Fleischgericht Katzengeschrei: Wer kennt die Gerichte mit den kuriosen Namen nicht? Oft sind die humorvollen Eigennamen in ebenso ungewöhnlichen Alltagssituationen entstanden. Das gilt auch für die Hot Dogs von Coney Island…

Zugegeben: Die Geschichte der heißen Hunde ist nicht bis ins letzte Detail geklärt, trotzdem könnte sie sich so zugetragen haben:

Im Mittelpunkt der Erzählung steht ein Metzger. Er lebte vermutlich bis 1840 in Deutschland, bevor er beschloss, seiner Heimat den Rücken zu kehren und zusammen mit seiner Familie nach Amerika auszuwandern. Mit auf die große Reise gehen sollte auch ihr Hund, ein Dackel. Dachshunde waren im damaligen Deutschland recht selten, tatsächlich konnten sich zu Beginn der Industriellen Revolution nur wenige Bürger einen Hund leisten. Entsprechend stolz muss der Metzger auf seinen Dackel gewesen sein. Aus diesem Grund hat die Familie vermutlich auch beschlossen, ihren Vierbeiner nicht zurückzulassen.

Nach einigen Irrwegen landeten der Metzger und seine Familie schließlich im New Yorker Stadtteil Brooklyn, wo sie sich erstaunlich schnell eine neue Existenz aufbauten und bald als einfache aber angesehene Bürger galten. Für die gemeinsamen Spaziergänge mit seinem Dackel in den Straßen von Big Apple brauchte der Metzger jedoch weiterhin starke Nerven und eine gehörige Portion Humor.

Denn mit seinem langgestreckten Rücken, dem gedrungenen Körperbau, seinen unverhältnismäßig kurzen, krummen Beinchen und dem leicht watschelnden Gang hat der Vierbeiner bei vielen Passanten für große Heiterkeit gesorgt. Einigen Überlieferungen nach sollen ihn die New Yorker Bürger sogar als „laufende Wurst“ verspottet haben. Tatsächlich waren Dackel oder Dachshunde zu diesem Zeitpunkt in Amerika vollkommen unbekannt und galten bald als eindeutiges Erkennungsmerkmal deutscher Einwanderer.

Art. 3811 Soft Hot-Dog-Brötchen

Art. 3811 Soft Hot-Dog-Brötchen

Während die Dackel weiterhin zur Zielscheibe des allgemeinen Spotts wurden, eroberte eine andere, aus Deutschland importierte Erfindung, die Gunst der New Yorker im Sturm. Richtig, Insider ahnen es bereits, die Rede ist von der Brühwurst, besser bekannt als Frankfurter Würstchen. Die Rezeptur stammt bereits aus dem 13. Jahrhundert und wurde von einem Frankfurter Metzger entwickelt. Die Wahl des Namens Frankfurter war damit keinesfalls zufällig. Im Gegensatz zu ihren Wiener Verwandten bestehen Frankfurter Würstchen ausschließlich aus Schweinefleisch. Ihren charakteristischen Geschmack erhalten sie durch ein neuentwickeltes Räucherverfahren, dieses schützt die Würstchen gleichzeitig vor dem raschen Verderb.

Als cleverer Geschäftsmann witterte der Metzger seine Chance und eröffnete im Jahr 1871 auf der Halbinsel Coney Island südlich von Brooklyn einen Imbissstand, an dem er auch eine neuentwickelte Sandwich-Kreation anbot. Hierfür legte er ein Frankfurter Würstchen nach dem Erhitzen zwischen zwei leicht getoastete Brötchenhälften. Anschließend fügte er noch etwas Sauerkraut und geröstete Zwiebelscheiben hinzu, fertig war das Sandwich.

Vor dem Imbissstand hatte es sich oft der Dackel des Metzgers gemütlich gemacht. Vermutlich hat dieses Bild die Fantasie eines Kunden beflügelt. Und so kam es, dass immer mehr New Yorker von den Hot Dogs auf Coney Islands sprachen.

Hot Dogs

Hot Dogs

Heute sind Hot Dogs Varianten weltweit bekannt und werden auf unterschiedlichste Weise zubereitet. In Dänemark und Skandinavien wird ein leuchtend rot eingefärbtes Würstchen zwischen die Brötchenhälften gelegt, mit Röstzwiebeln und süß- eingelegten Gurkenscheiben garniert und mit Ketchup, mildem Senf oder dänischer Remouladensauce verfeinert. In Frankreich, Österreich und der Schweiz hat sich ein speziell geformtes Baguettebrötchen gegen das weiche Hot Dog Brötchen durchgesetzt. Die bekannteste Hot Dog Variante Brasiliens wird dagegen aus Geflügelfleisch hergestellt und mit Mais, Parmesankäse und gerösteten Kartoffelscheiben serviert.

Mir persönlich schmeckt der traditionelle Hot Dog, bestehend aus einem kross getoasteten Soft-Brötchen, einer herzhaften Relish-Sauce, dünn geschnittenen Gurkenscheiben und gerösteten Zwiebeln am besten. Das sehen die zahlreichen Besucher der ersten Landcafé-Wiesn offensichtlich genauso.

Über Wolli

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