18. November 2017

Wolli und das Erbe des Herzogs

Holzbuden aufstellen, Girlanden aufhängen, Getränke kühlen,Schmankerl vorbereiten. Es gibt noch viel zu  tun bis zum Start der Landcafé-Wiesn am kommenden Wochenende. Doch das mindert unsere Vorfreude nicht im Geringsten!

Brezn

Brezn

Das Sommerfest wurde abgesagt, das Kinderfest auf unbestimmte Zeit verschoben. In diesem Jahr hatten die Bewohner unseres Dorfes nicht viel Gelegenheit miteinander zu feiern. Umso mehr freuen wir uns jetzt auf das erste Oktoberfest im Landcafé.

Oktoberfest. Wer denkt da nicht an die Münchener Theresienwiese, an weißblaue Festzeltstimmung, kühles Bier, ofenfrische Brezn und eine atemberaubende Achterbahnfahrt? Umso verblüffender finde ich, dass die traditionellen Oktoberfeste in Wahrheit keine Münchener Erfindung sind sondern auf eine Verordnung des bayerischen Herzog Albrecht V. im Jahr 1553 zurückgehen.

Am Georgstag war alles vorbei

In seinem Dekret wies der Monarch alle bayerischen Brauereien an, künftig nur noch in der Zeit vom Michaelistag, am 29. September bis zum Georgstag, am 23. April Bier zu brauen. Während der darauf folgenden fünf Monate durften die Braumeister den Gerstensaft zwar ausschenken, das Brauen selbst wurde jedoch hart bestraft. Auslöser für das Verbot war die hohe Brandgefahr beim Biersieden, vor allem während der warmen Sommermonate. Mit dem fünfmonatigen Brauverbot wollte der Herzog seine Untertanen also vor verheerenden Brandkatastrophen schützen. Doch es kam anders.

Bier machte zunächst satt und dann fröhlich

Bier war im 16. Jahrhundert ein unverzichtbares Grundnahrungsmittel. Um die eigene Versorgung sicherzustellen, gehörte das Brauen in vielen Familien ganz selbstverständlich zum Alltag. Trotzdem trugen die zahlreichen Privat- und Klosterbrauereien im damaligen Bayern eine große Verantwortung. Hier löste die herzögliche Verordnung auch die größten Veränderungen aus.

In vielen bayerischen Sudhäusern hatte einige Jahre zuvor ein neues Brauverfahren Einzug gehalten. Mit diesem Verfahren gelang es erstmals sogenannte untergärige Biere zu brauen. Untergärige Biere entstehen durch den Einsatz spezieller Hefepilze. Im Vergleich zu anderen Hefekulturen bevorzugen diese Mikroorganismen vergleichsweise geringe Umgebungstemperaturen von 4 bis 9 Grad Celsius. Untergärige Biere können daher nur in gut gekühlten Räumen und außerhalb der heißen Sommermonate gebraut werden. Ideale Voraussetzungen für die Umsetzung der herzöglichen Brauverordnung!

Wenn im Märzen der Brauer…

Im Gegensatz zum bisherigen Bier war der neue Gerstensaft nach einer mehrwöchigen Reifezeit sehr lange haltbar. Das wiederum brachte die Braumeister auf die Idee, größere Biervorräte anzulegen, die dann die Bevölkerung während des fünfmonatigen Brauverbotes versorgten. Ein besonderer Coup gelang den Braumeistern mit der Herstellung des untergärigen Märzbieres. Diese als Märzen bekannte Biersorte wurde tatsächlich im Monat März gebraut, war besonders geschmacksintensiv und konnte bei entsprechender Kühlung bis weit über den Michaelistag hinaus gelagert werden. Doch was geschah, wenn das Märzen zu Beginn der neuen Brausaison am 29. September noch nicht verbraucht war und dem neuen Bier Platz machen musste? Dann feierten die Untertanen des Herzogs spontan ein großes Oktoberfest mit Musik, Gauklern, deftigen Speisen und viel, viel Märzenbier. Schon bald hatte sich dieses Volksfest in vielen Teilen Bayerns etabliert, einige Oktoberfeste sind bis heute erhalten geblieben.

Ein Pferderennen als Hochzeitsgeschenk

Letztendlich hat die Tradition auch das Münchener Oktoberfest mitgeprägt. Anlass der ersten Wiesn war jedoch die Hochzeit von Kronprinz Ludwig und Prinzessin Therese am 12. Oktober 1810. Ihnen zu Ehren veranstaltete ein Münchener Bankier fünf Tage nach der Trauung ein spektakuläres Pferderennen auf einer Wiese vor den Münchener Stadtoren. Zur Freude der Münchener Bevölkerung beschloss der Königshof dieses Pferderennen im darauffolgenden Oktober zu wiederholen. So entwickelte sich über 200 Jahre hinweg die heutige Münchener Wiesn.

Im Landcafé geht es mittelalterlich zu

Lebkuchenherzen

Lebkuchenherzen

Unsere Landcafé-Wiesn erinnert dagegen an die mittelalterlichen Oktoberfeste. Bereits in wenigen Stunden werden sich die Dorfbewohner eng an eng um die kleinen Holzbuden im alten Obstgarten drängen, miteinander lachen, aktuelle Neuigkeiten austauschen und frisch gezapftes Märzen trinken. Einen großen Ansturm wird es auch auf die frischgebackenen Wiesn Brezn und die Lebkuchenherzen zum Selbstgestalten geben. Sehr lecker, aber wenig mittelalterlich geht es dagegen in der Holzbude direkt am Garteneingang zu. Hier werde ich aus Softbrötchen, knackigen Würstchen, Gurkenscheiben, Röstzwiebeln und pikanten Relishsaucen original amerikanische Hot Dogs zubereiten.

Was es genau mit den berühmten heißen Hunden auf sich hat, davon mehr im nächsten Blog.

Über Wolli

Schreiben Sie einen Beitrag

*