18. November 2017

Eine Blume im Zeichen der Sonne

Ihr leuchtendes, warmes Sonnengelb ist schon von weitem zu sehen. Es ist, als hätten die Sonnenblumen das Licht des Sommers eingefangen um den oft trüben Herbsttagen ein wenig Farbe zu verleihen. Wie nah sich Sonne und Sonnenblume tatsächlich sind, davon erzählt diese Geschichte.

Sonnenblume

Sonnenblume

Die Geschichte der Sonnenblume spielt im alten Griechenland. Dort hatte sich Klytia, eine Tochter des Gottes Okeanos unsterblich in Apollon, den stattlichen Herrscher des Lichtes verliebt. Zu ihrem Leidwesen erwiderte er Klytias Gefühle nicht, stattdessen umwarb Apollon ihre schöne Schwester Leukothoe. Eifersüchtig berichtete Klytia dem jähzornigen Vater von der Liason. Okeanos tobte vor Wut. Um die Schande von seiner Familie abzuwenden, ließ er die inzwischen schwangere Leukothoe lebendig begraben. Apollon erfuhr zu spät von Klytias Rache, er konnte seine Geliebte nicht mehr retten. Als Klytia erneut von Apollon abgewiesen wurde, flüchtete sie auf einen Felsen. Hier saß sie neun Tage, ohne schützende Kleidung, ohne Nahrung und beklagte ihr Unglück. Am letzten Tag hatte das Licht ihr Leid in leuchtend gelbe Blütenblätter verwandelt. Aus der eifersüchtigen Klytia war eine Sonnenblume geworden, die sich fortan in Apollons Richtung und damit gen Sonnenlicht dreht. Später wird Apollon mit dem griechischen Sonnengott Helios gleichgesetzt. Aus seinem Namen leiteten Botaniker die lateinische Bezeichnung Helianthus (anthus=Blume) ab. Und so heißen die Sonnenblumen bis heute.

Sonnenblumenfeld

Sonnenblumenfeld

Ursprünglich stammt die Sonnenblume aus Mittelamerika und den angrenzenden Südstaaten der heutigen USA. Archäologische Funde zeigen, dass Siedler bereits um 2500 v. Chr. Sonnenblumen auf den Feldern entlang des Mississippis angebaut haben.
Im 16. Jahrhundert brachten spanische Seefahrer erstmals Samen der stattlichen Pflanze von ihren Expeditionsreisen mit. Von Spanien aus verbreiteten sich die Sonnenblumen rasch in ganz Europa. Ihre Bedeutung als Ölpflanze blieb jedoch zunächst unbeachtet, sie war lediglich eine begehrte Zierpflanze.
Einige Jahre später mischte ein findiger Bäcker erstmals Sonnenblumenkerne in einen Brotteig und erfand damit die Vorgänger unserer Sonnenblumenbrote und Sonnenblumenbrötchen. Ab dem 19. Jahrhundert etablierte sich die Sonnenblume Schritt für Schritt als eine der wichtigsten Ölpflanzen weltweit.

Mehrfach ungesättigte Fettsäuren sind wichtig für eine gesunde Ernährung

Sonnenblumenöl ist besonders wertvoll für die menschliche Ernährung, da es reich an einfach und mehrfach ungesättigten Fettsäuren ist. Fettsäuren sind die Bausteine aller Fette. Jede Fettsäure ist wie eine Perlenkette aufgebaut und besitzt eine jeweils charakteristische Kettenlänge. Die Grundstruktur jeder Fettsäurenkette entsteht durch Kohlenstoffmoleküle, die über Bindungen miteinander verknüpft sind. Bei diesen Bindungen handelt es sich entweder um einfache oder doppelte Bindungen. Bei den gesättigten Fettsäuren sind die einzelnen Kohlenstoffmoleküle ausschließlich über einfache Bindungen miteinander verknüpft. Die Ölsäure dagegen ist eine einfach ungesättigte Fettsäure, hier verbindet eine Doppelbindung das neunte und das zehnte Kohlenstoffmolekül miteinander. Mehrfach ungesättigte Fettsäuren sind vor allem in pflanzlichen Ölen enthalten. Sie können vom Organismus selbst nicht hergestellt werden, sind aber für viele Stoffwechselprozesse unentbehrlich. Daher müssen die meisten Lebewesen, unter ihnen auch der Mensch, mehrfach ungesättigte Fettsäuren zwingend und in ausreichender Form über die Nahrung aufnehmen. Aus diesem Grund bezeichnen Ernährungswissenschaftler die Linolsäure, die Linolensäure und die Arachidonsäure auch als essentielle Fettsäuren.

Vorsicht: Sonnenblumenöl nicht zu hoch erhitzen!

Sonnenblumenöl

Sonnenblumenöl

Die in Deutschland kultivierten Sonnenblumen lassen sich in vier unterschiedliche Typen einteilen. Den höchsten Ölertrag liefern die Sorten des sogenannten Öltyps. Das aus diesen Kernen gepresste Öl enthält 50 bis 70 Prozent Linolsäure und maximal 40 Prozent Ölsäure. Wegen seines hohen Linolsäuregehaltes ist Sonnenblumenöl aus ernährungsphysiologischer Sicht sogar wertvoller als Olivenöl. Gleichzeitig sind die mehrfach ungesättigten Fettsäuren aufgrund ihrer Doppelbindungen sehr instabil. Daher sollte Sonnenblumenöl nicht hoch erhitzt und keinesfalls zum Frittieren von Speisen eingesetzt werden. Das ölsäurereiche Olivenöl dagegen ist deutlich hitzestabiler.

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