18. November 2017

Wolli auf Schatzsuche

Das ist doch keinen Pfifferling wert!“ Oft genug bringe ich mit dieser Äußerung meine missbilligende Haltung zum Ausdruck. Doch woher stammt die Redensart? Und warum vergleichen wir alltägliche Dinge ausgerechnet mit einem Speisepilz?

Kühl und würzig duftet die Luft als ich die Lichtung des Laubwaldes erreiche. Atemlos von der zurückgelegten Strecke setze ich mich auf einen morschen Eichenstamm, gönne mir eine kleine Verschnaufpause und betrachte die Morgensonne, die sich soeben ihren Weg durch die dichtbelaubten Kronen der mächtigen Eichen bahnt. Ja, hier muss die Stelle sein, die mir mein Freund beschrieben hat. Und mit ein bisschen Glück werde ich gleich einen inzwischen seltenen Schatz entdecken: Pfifferlinge.

Für andere scheint der Pfifferling dagegen eher wertlos zu sein. Oder hält uns eine im deutschen Sprachraum weitverbreitete Redewendung etwa zum Narren?

Pfifferlinge

Pfifferlinge

Sprachforscher vermuten, dass die Redewendung ursprünglich aus Südwestdeutschland stammt. Bereits im 19. Jahrhundert war das damalige Fünf-Pfennig-Stück in den südwestlichen Landesteilen, vor allem aber in Schwaben, als „Fünferle“ bekannt. Dialektische Einflüsse formten daraus das „Pfifferle“. Für einige hochdeutsch sprechende Zeitgenossen hat das wohl eher nach „Pfifferling“ geklungen. Tatsächlich deutet viel darauf hin, dass die Redewendung ursprünglich durch ein Missverständnis entstand, das bis heute erhalten ist.

Schon damals bedeutet ein Pfifferle kein Vermögen, gleichwohl man für fünf Pfennige gewiss mehr erwerben konnte als heute. Ein zu dieser Zeit kostengünstiges und damit für alle Bevölkerungsgruppen erschwingliches Nahrungsmittel waren Pfifferlinge. Die goldgelben und trichterförmigen Speisepilze wuchsen massenhaft in den heimischen Laub- und Nadelmischwäldern. Entsprechend gering war ihr Ansehen. Auch daraus könnte die Redensart entstanden sein.

Heute ist der aromatische Speisepilz in unseren Wäldern eine Seltenheit. Um die letzten verbliebenen Populationen zu schonen, hat der Staat strenge Schutzmaßnahmen erlassen. So dürfen Pfifferlinge lediglich in kleinen Mengen und ausschließlich für den Eigenbedarf gesammelt werden.

Ein Grund für den starken Rückgang des Pfifferlings ist die große Holznachfrage und die daraus resultierende, intensivere Nutzung unserer Wälder. Pfifferlinge, die wegen ihrer charakteristischen gelben Färbung auch als Eierschwämme bezeichnet werden, wachsen bevorzugt im Schatten alter, mäßig durchforsteter Eichen- und Laubmischwälder. In weiten Teilen Deutschlands überwiegen jedoch die Nadelmischwälder. Hinzu kommt, dass viele Baumbestände heute früher hiebreif sind und damit nicht mehr so alt werden. Ganz anders sieht die Situation in vielen osteuropäischen Staaten aus. Sie haben sich vor einigen Jahren auf den Export von Pfifferlingen spezialisiert und versorgen unter anderem auch den deutschen Markt.

Pfifferling-Pastete

Pfifferling-Pastete

Nach Einschätzung der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) sind Pfifferlinge in Maßen genossen sehr gesund. Die Eierschwämme enthalten wertvolle Folsäure, punkten mit ihrem hohen Eisengehalt und sind erfreulich kalorienarm. Viele Speisen erhalten erst durch die Zugabe von Pfifferlingen ihren unnachahmlichen, geschmacklichen Pfiff. Kein Wunder also, dass der Eierschwamm die Rangliste der beliebtesten Speisepilze anführt. Auch ich freue mich auf frisch gebratene Pfifferlinge in Blätterteig-Pasteten doch dafür muss ich die leckeren Pilze erst einmal finden.

Frisch gestärkt mit heißem Kaffee und belegten Sandwiches suche ich den Waldrand systematisch nach Pfifferlingen ab. Als ich eine Stunde später noch immer keinen Eierschwamm entdeckt habe, ist meine Geduld am Ende. Ist dies vielleicht doch der falsche Standort? Missmutig kehre ich zum morschen Eichenstamm zurück, greife nach dem Rucksack und traue meinen Augen nicht: Vor meinen Füßen schmiegen sich zahlreiche Pfifferlinge wie kleine goldene Becher an den einst so stattlichen Stamm. Die Versuchung ist groß, dennoch bleibt das Taschenmesser unbenutzt im Rucksack. Stattdessen betrachte ich den besonderen Fund. Vielleicht ist es an der Zeit eine weitverbreitete Redensart zu korrigieren. Wie wäre es zum Beispiel mit: „So wertvoll wie ein Pfifferling?“

Über Wolli

Comments

  1. Hallo lieber Wolli,
    „KEIN PFIFFERLING wert“
    toller Beitrag,
    das sieht ja sehr gut aus. Kriegt man la gleich Hunger und Appetit auf mehr…

    Wir haben da auch was tolles, wenn ich vorstellen darf:

    http://cristal-hotel.de/hotel-cristal-eisstockschiessen

    Liebe herzliche Grüße aus München
    Zoran Stanojevic

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