18. November 2017

Honig – und die Frage nach dem MHD

„Mindestens haltbar bis 31. Juli 2014“ lese ich auf dem Deckel des Honigglases und bin erstaunt: Warum benötigt Honig ein Mindesthaltbarkeitsdatum? Kann der süße Nahrungsvorrat der Honigbienen etwa verderben?

Honig statt Antibiotika. In vielen Kliniken und Arztpraxen ist das bereits Alltag. Immer öfter setzen Mediziner den stark antibakteriell wirkenden Honig erfolgreich gegen Infektionskeime ein, bei denen herkömmliche Medikamente keine Reaktion mehr zeigen. Umso unverständlicher scheint es da, dass auf jedem Glas naturbelassenen Honig ein Mindesthaltbarkeitsdatum angegeben ist.

Blick auf einen Bienenstock, Quelle: Henke

Blick auf einen Bienenstock, Quelle: Henke

Honig enthält mehr als 200 unterschiedliche Inhaltsstoffe, sie sind entscheidend für seinen Geschmack, die vorzügliche Heil- und Desinfektionswirkung und seine Lagerfähigkeit. Den überwiegenden Anteil machen Fruchtzucker und Traubenzucker aus. Beide Monosaccharide stammen aus dem Blütennektar oder aus dem Honigtau, den die Trachtbienen mit Hilfe ihres Rüssels aufnehmen. Über den Schlund gelangen Nektar oder Honigtau anschließend in die Honigblase, einem Sammelreservoir im Inneren des Bienen-Organismus. Dabei werden beide Nahrungssäfte mit zuckerspaltenden Enzymen und bakterienhemmenden Substanzen, den sogenannten Inhibinen, angereichert.

Kehren die Trachtbienen mit gefüllten Honigblasen in den Stock zurück, geben sie ihr Sammelgut an die dort bereitstehenden Stockbienen ab. Diese nehmen den Nektar über ihren Rüssel auf und nutzen einen kleinen Teil des aufgenommenen Rohstoffes für ihre eigene Versorgung. Den überwiegenden Anteil pumpen sie anschließend wieder aus ihrer Honigblase heraus und sammeln ihn als kleine Tröpfchen auf der Unterseite ihres Rüssels. Dort kommt der zu Beginn sehr wasserhaltige Nektar mit dem warmen, trockenen Klima im Bienenstock in Berührung. Das nun einsetzende Trocknen des Nektars bezeichnen Imker als Lüften.

Blick auf eine Brutwabe, Quelle: Henke

Blick auf eine Brutwabe, Quelle: Henke

Nach mehrmaligem Lüften geben die Stockbienen den Nektar an ihre Genossinnen ab. Auf diese Weise entsteht eine Futterkette, in deren Verlauf dem reifenden Honig mehr und mehr Wasser entzogen wird. Gleichzeitig reichern ihn die Bienen kontinuierlich mit Enzymen, Mineralstoffen, Vitaminen und Inhibinen an. Dabei dickt der Nektar ein, Imker bezeichnen diesen Vorgang als Invertieren. Liegt der Wassergehalt des Nektars bei 30- 40 Prozent, beginnt die zweite Phase der Honigreife. Hierbei bringen die Stockbienen den halbreifen Honig als kleine Tröpfchen in die Zellen der Honigwaben ein oder streichen ihn als dünnen Film an den Zellwänden ab. Durch kräftiges und schnelles Flügelschlagen fächern sie dem Rohstoff erneut warme, trockene Luft zu. Dabei verdunstet weiteres überschüssiges Wasser. Bei einem Feuchtigkeitsgehalt von weniger als 20 Prozent lagern die Bienen den Honig in neue Zellen ein und verschließen diese anschließend mit einem luft- und wasserundurchlässigen Wachsdeckel. Dieser Deckel hält auch Bakterien und Pilze fern.

Naturbelassener Honig ist beliebt. In Deutschland verzehrt jeder Bundesbürger im Schnitt 1,4 Kilogramm Honig pro Jahr. Besonders beliebt sind Waldhonig, Akazienhonig und Lindenhonig.

Nach dem Schleudern, Sieben und Klären wird der Honig in geeignete Gläser abgefüllt und fest verschlossen. Er ist jetzt, nicht zuletzt wegen seines hohen Zucker- und Enzymgehaltes ohne Qualitätseinbußen sehr lange lagerfähig. Voraussetzung ist allerdings, dass das kostbare Naturprodukt kühl, trocken und dunkel aufbewahrt wird. Das optimale Temperaturniveau liegt hier zwischen 12 und 18 Grad Celsius.

Blick auf eine Brutwabe, Quelle: Henke

Blick auf eine Brutwabe, Quelle: Henke

Dank seiner langen Lagerfähigkeit galt für Honig eine gesetzliche Ausnahmeregelung. Diese sah vor, dass Imker den von ihnen in Verkehr gebrachten Honig nicht mit einem Mindesthaltbarkeitsdatum versehen mussten. Die neue, seit dem 1. August 2004 in der EU geltende Lebensmittel-Kennzeichnungsverordnung hebt diese Sonderregelung auf. Seitdem ist auf jedem Honigglas ein Mindesthaltbarkeitsdatum anzugeben. Über welchen Zeitraum der Imker die einwandfreie Qualität des von ihm in Verkehr gebrachten Honigs garantiert, liegt allein in seinem Ermessen. Eine Vorgabe des Gesetzgebers gibt es hierbei nicht. Honig ist also auch weiterhin ein lang lagerfähiges und wertvolles Naturprodukt und kann bei sachgerechter Aufbewahrung in den meisten Fällen über das Mindesthaltbarkeitsdatum hinaus ohne Qualitätsverlust und Risiken genossen werden.

Über Wolli

Comments

  1. Honigtauhonig wird von Bienen erzeugt, welche die zuckerhaltigen und ballaststoffreichen Ausscheidungen von Pflanzenläusen , den Honigtau , sammeln. Dieser Honig hat meist eine deutlich dunklere Farbe als Honig aus Blütennektar und bleibt lange flüssig.

  2. Hello There. I found your blog the usage of msn. This is a very neatly written article.
    I’ll be sure to bookmark it and come back to learn extra of your helpful information. Thanks for
    the post. I will definitely comeback.

Schreiben Sie einen Beitrag

*