18. November 2017

Wolli auf Spurensuche: Warum der Hamburger kein Amerikaner ist

Sommerzeit ist Grillzeit! Doch statt marinierter Steaks und gebräunter Bratwürste brutzeln bei uns heute leckere Burger auf dem Grill. Und das hat eine lange Tradition.

Giant Burger

Giant Burger

Zufrieden hielt der fünfzehnjährige Charlie Nagreen im Jahr 1885 auf der Kirmes der Stadt Seymor im amerikanischen Bundesstaat Wisconsin Ausschau nach weiteren Kunden. Seine Idee, an einem mobilen Imbissstand frisch gebratene Hackfleischfrikadellen zu verkaufen, hatte sich als Volltreffer erwiesen. Wie Charlie Nagreen richtig vermutete, nahmen sich nur wenige Jahrmarktbesucher Zeit für eine ausgiebige Mahlzeit. Gegen eine sättigende Frikadelle, die sie im Vorbeigehen erwarben und direkt aus der Hand verzehren konnten, hatten die meisten Besucher jedoch nichts einzuwenden. Im Gegenteil.

Als sich eine Kundin nach dem Verzehr der Frikadelle über die verbliebenen Fettspuren an ihren Händen beklagte und einen weiteren Hackfleischbratling ablehnte, schnitt der findige 15-Jährige kurzentschlossen ein weiches, aus Weißmehl gebackenes Brötchen in der Mitte auseinander. Rasch legte er die Frikadelle zwischen die Hälften, presste das Brötchen fest zusammen und reichte es der überraschten Kundin. In den folgenden Jahren soll Charlie Nagreen dieses Frikadellen-Sandwich mit großem Erfolg auf vielen Jahrmärkten in und außerhalb Wisconsins verkauft haben. Tatsächlich dauerte es nur wenige Jahre bis der Ur-Hamburger flächendeckend auf dem nordamerikanischen Kontinent verbreitet war und zum Ausgangspunkt unserer heutigen Burger-Generation wurde. Charlie Nagreen hingegen ließ sich zeitlebens als Erfinder des Hamburgers feiern.

Hamburger-Brötchen

Hamburger-Brötchen

Zu Unrecht wie wir heute wissen. Denn zeitgleich mit Nagreen sollen bereits die Brüder und Imbissbesitzer Frank und Charles Meches aus der Gemeinde Hamburg im Bundesstaat New York Ur-Burger gebraten haben. Ihre Kreation entstand, als sie eines Tages nicht ausreichend Hot Pork (Schweinebraten) von ihrem Lieferanten erhielten und die von ihnen angebotenen Sandwiches stattdessen mit einem Rinderhacksteak füllten.

Eine andere Geschichte erzählt vom Amerikaner Fletcher Davis. Er soll auf der Weltausstellung 1904 in St. Louis ein Hacksteak aus Rindfleisch zwischen zwei Brotscheiben gelegt und beides mit Zwiebeln und Senf geschmacklich verfeinert haben. Ein lobender Artikel in der New York Tribune zeugt noch heute davon, wie gut dieser Snack bei den Besuchern der Weltausstellung ankam.

Inzwischen weisen viele Indizien darauf hin, dass die ersten Hamburger tatsächlich in Hamburg, genauer gesagt im Hafengebiet der Hansestadt gebraten wurden. Die Rezeptur für den ursprünglich stark gewürzten und roh verzehrten Fleischklops stammt vermutlich von baltischen Seeleuten. Da die Hamburger Hafenarbeiter den Geschmack des rundlich flachen Hackfleischstückes sehr wohl schätzten, den Verzehr von rohem Fleisch jedoch weitgehend ablehnten, garten die Arbeiter das aus Rindfleisch bestehende Hacksteak zunächst auf dem Grill und verzehrten es als sogenanntes „warmes Rundstück“ zusammen mit Brot und etwas Sauce. Später setzte sich dieses Gericht auch in der besser situierten Hamburger Gesellschaft durch. Emigranten, die von der Elbmetropole aus in die USA auswanderten, lernten das Frikadellen-Sandwich in Hamburg kennen und schätzten es als schmackhafte und unkomplizierte Mahlzeit während ihrer Schiffspassage in die Neue Welt. Vermutlich kam der Ur-Hamburger bei vielen ehemaligen Aussiedlern auch später noch auf den Tisch. Schon im Jahr 1842, also lange bevor Charlie Nagreen seine erste Sandwich-Frikadelle kreierte, wird die Zubereitung des Hacksteaks „Hamburger Art“ in einem US-amerikanischen Kochbuch beschrieben.

Sesam Sandwich-Kaiser

Sesam Sandwich-Kaiser

Ob medium gegrillt oder durchgebraten, ob mit Gemüseeinlage oder ohne, ob scharf gewürzt oder mild verfeinert: Die heutige Hamburger-Vielfalt scheint unerschöpflich. Auch vegetarische Burger haben inzwischen viele Anhänger gefunden. Viel Geschmack und Kreativität beweisen überzeugte Burger-Fans vor allem bei der Auswahl der Brötchen. Hier sorgen extra große Sandwich-Kaiser oder rustikal-würzige Giant Jägersandwichbrötchen für ein Plus an Abwechslung und Geschmack. Leckere Hamburger lassen sich auch mit Sesam- oder Mohn-Sandwichkaiserbrötchen herstellen. Also: Ran an die Grills und Feuer frei, jetzt ist Burgerzeit!

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