18. November 2017

Von Kardamom bis Zimt – Wollis Reise in die Welt der Lebkuchengewürze

Wie wäre es mit einem Orangen-Spekulatius-Dessert? Oder soll ich doch ein winterliches Tiramisu mit Lebkuchen und Orangen auf die Karte setzen? Leicht ist sie nicht, die Suche nach dem besten Winterdessert

Gewürzmischung

Gewürzmischung

„Wolli!“ Energisch hallt die Stimme meiner Mutter aus der Küche des Landcafés. „Was ist denn jetzt passiert“, denke ich und springe von meinem Bürostuhl auf. „Stell dir vor, wir haben bereits fünf Aufträge für die Ausrichtung von Weihnachtsfeiern erhalten“, ruft mir meine Mutter freudig zu und schwenkt übermütig unseren Terminkalender. „Jetzt schon?“, frage ich ungläubig, „wir haben doch erst Anfang November!“ „Was heißt hier erst?“, entgegnet die Wächterin unserer Termine. „In drei Wochen feiern wir den ersten Advent. Es wird dringend Zeit, dass Du winterliche Desserts auf unsere Speisekarte setzt“, mahnt meine Mutter.

Sommergenuss ade!

Und so sitze ich wenig später in meinem Büro und nehme wehmütig Abschied vom Sommer. Ade ihr kühlen Fruchtsorbets, leckeren Erdbeer-Trifles, köstlichen Beerenobst-Kompositionen und erfrischenden Obstsalate. Bis nächstes Jahr!
Besonders lange hält meine Abschiedsmelancholie allerdings nicht an, dazu sind die Aromen des Winters viel zu verlockend: fruchtige Orangen, mild-würzige Vanille, aromatische Gewürznelken, fruchtig-scharfer Ingwer oder der nach Lakritz duftende Sternanis. Unverzichtbare Winter- und Weihnachtsboten sind vor allem Zimt und Kardamom.

Im Schatten der Tropenbäume

Kardamom

Kardamom

Der grüne Kardamom (Elettaria cardamomum) gehört zur Familie der Ingwergewächse und ist ursprünglich in den tropischen Bergwäldern Süd-Indiens und Sri Lankas zu Hause. Da die etwa 2,5 Meter hohe Pflanze besonders gut im Schatten großer Tropenbäume gedeiht, gehören auch die Ausläufer der Urwälder Malaysias, Papua-Neuguineas, Kambodschas, Tansanias und Guatemalas zu den bedeutenden Kardamom-Anbaugebieten. Kardamom zählt zu den ältesten und wertvollsten Gewürzen der Menschheit. Seine Verbreitung ist eng mit dem Warenaustausch zwischen Asien, der arabischen Halbinsel und dem heutigen Europa verknüpft. Schon die alten Babylonier (2.000 Jahre v. Chr.) brachten Kardamomsamen aus den Gewürzregionen Asiens in das damalige Mesopotamien und machten sie als Würz- und Heilmittel in ihrer Heimat bekannt. Später zogen immer mehr Karawanen auf den alten Handelswegen, die Asien mit der arabischen Halbinsel verbanden. Durch diese Warenströme breitete sich Kardamom rasch in den arabischen Ländern aus und gelangte schließlich ab dem 12. Jahrhundert über Süditalien auch nach Mittel- und Nordeuropa.

Klein und kostbar

Da sich das wertvolle Kardamomöl ausschließlich in den Samenkörnern befindet, werden zunächst die Fruchtkapseln der Pflanze gesammelt und getrocknet. Während der Trocknungsphase reißen die Kapseln auf und entlassen jeweils 20 kleine, unscheinbare Samenkörner. Meist werden diese Körner sofort vermahlen. Um jedoch das leicht flüchtige Kardamomöl zu schützen, bringen einige Erzeuger die getrockneten Fruchtkapseln und die darin enthaltenen Kardamomsamen in den Handel. Dieses Gewürz gilt dann als besonders hochwertig.
Zimt dagegen wird nicht aus den Samen sondern aus der Rinde des Ceylon-Zimtbaumes (Cinnamomi Cortex) gewonnen. Dabei schälen die Erntehelfer eine meist dünne Schicht zwischen der Borke und der Mittelrinde jedes Zimtbaumes heraus. Diese Schicht rollt sich sofort nach dem Abtrennen zu einer schmalen Röhre zusammen. Für die bekannten Zimtstangen werden später sechs bis zehn dieser dünnen Röhren ineinandergeschoben. Weitaus häufiger kommt Zimt jedoch in gemahlener Form in den Handel.

Einst ein beliebtes Fastengebäck

Lebkuchen-Elch

Lebkuchen-Elch

In Deutschland sind Zimt und Kardamom wichtige Zutaten der schon im Mittelalter bekannten Lebkuchenbäckerei. Leb- und Pfefferkuchen waren ursprünglich kein Weihnachtsgebäck sondern galten als beliebtes Fastengebäck der Mönche. Da die Gewürzkuchen auch unter den damaligen Verhältnissen sehr lange haltbar waren, wurden sie in den Klosterbäckereien auf Vorrat gebacken und in Notzeiten an die hungernde Bevölkerung verteilt. Aus dieser Mildtätigkeit entstand vermutlich der Brauch, Lebkuchen in den entbehrungsreichen Wintermonaten und während der vorweihnachtlichen Fastenzeit zu essen. Da die Lebkuchengewürze sehr teuer und nicht auf jedem mittelalterlichen Markt erhältlich waren, konnten nur reiche Klöster, die außerdem an bedeutenden Handelsknotenpunkten lagen, die wertvollen Lebkuchengewürze erwerben. Zu ihnen gehörten insbesondere Klöster in Aachen, Nürnberg, Köln, Augsburg, Ulm und München. Die dort im Mittelalter begonnene Lebkuchentradition setzt sich bis heute fort.

Lebkuchen- vielseitiger als man denkt

Auch ich möchte an der schönen Gewürzkuchen-Tradition festhalten. Nach einigem Suchen werde ich schließlich auf eine leckere Lebkuchenmousse aufmerksam. Treffer! Genau danach habe ich gesucht! Nun brauche ich noch eine Dekorationsidee, mit deren Hilfe sich die optisch unscheinbare Mousse in eine Augenweide verwandeln lässt. Sofort fällt mir der filigrane Schokoladentropfen aus Zartbitterschokolade ein, den ich vor kurzem im EDNA Onlineshop gesehen habe. Dazu dekoriere ich noch ein paar kleine Marzipansterne und setze einige Tropfen dunkle Schokoladensauce auf den Tellerand, – fertig ist das Winterdessert! Vielversprechend klingt auch der Pfannkuchen mit Spekulatiusfüllung. Dazu gesellen sich noch eine Kugel Vanilleeis, etwas Schlagsahne, einige Tropfen Schokoladensauce und feine EDNA-Schokodekore.

Über Wolli

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