20. Mai 2012

Wie der Backofen das Laufen lernte

Die rollenden Brote von Konstanz

Wohlige Wärme dringt aus dem Inneren des Ofens ins Freie. Gebannt verfolgen die Zuschauer, wie ein Teigling nach dem anderen vom Einschießer auf den heißen Backstein gleitet. Nur noch wenige Minuten, dann ist es soweit…

Die Kunst des Brotbackens ist beinahe so alt wie die Geschichte des Menschen und übt noch immer eine unglaubliche Faszination auf den Betrachter aus. Das zeigt sich einmal mehr an diesem Oktobernachmittag auf dem Firmengelände des größten Autohändlers der Stadt. Obwohl das kühle, regnerische Herbstwetter nicht gerade zum Verweilen anregt, sind doch überraschend viele Gäste der feierlichen Einladung zum 60. Firmenjubiläum gefolgt. Dicht an dicht drängen sie nun über das große, mit unzähligen Girlanden und Fähnchen geschmückte Grundstück und bestaunen die extravaganten Fahrzeugmodelle, die wie bunte, in Glanzpapier gehüllte Bonbons das Ausstellungsgelände säumen.

Modern und doch alt?

Doch nicht den schnittigen Sportflitzern, vornehmen Familienkarossen und smarten Kleinwagen erweist das Publikum an diesem Nachmittag die größte Gunst. Ihr Star kommt zur Not auch ohne Pferdestärken aus. Groß und stattlich steht er in seinem aus Spanplatten gezimmerten Backhäuschen, sicher geschützt vor Feuchtigkeit und Kälte. Der genügsame Geselle verlangt kein Benzin, er schöpft seine Kraft allein aus Holz. Auf den kurzen, aus Metall geformten Beinen lässt sich die Wucht seines schweren, gusseisernen Körpers nicht fortbewegen. Daher hat man ihn kurzerhand auf einen fahrbaren Untersatz montiert. Die große Schar an Kunden und Zuschauern beweist – mobile Holzbacköfen sind Publikumsmagnete. Doch wer hätte gedacht, dass sie eine Erfindung des Mittelalters sind?

Wenn drei sich streiten…

Die Geschichte der fahrbaren Holzbacköfen beginnt am 5. November 1414 in Konstanz am Bodensee. Dort hatte Papst Johannes XXIII. auf Betreiben von König Sigismund das berühmte Konstanzer Konzil einberufen. Wichtigster Verhandlungspunkt der Zusammenkunft war die causa unionis. Mit ihr wollten die kirchlichen und weltlichen Würdenträger eine drohende Spaltung der abendländischen Kirche, das sogenannte Schisma, verhindern. Ausgelöst wurde der Konflikt durch das Machtverhalten dreier rivalisierender und zeitgleich amtierender Päpste. Jeder von ihnen beanspruchte für sich der Stellvertreter Christi auf Erden zu sein. Da sowohl Gregor XII, als auch Benedikt XIII und Johannes XXIII. von eigenen Herrscherhäusern, Kardinälen und Bischöfen unterstützt wurde, wirkte sich das päpstliche Machtgerangel stark auf die politische Sicherheit im damaligen Reich aus. Wichtigste Aufgabe des Konzils war es daher, einen gemeinschaftlichen Papst zu bestimmen und damit den Frieden und die innenpolitische Stabilität wiederherzustellen.

Konstanz in Not: Woher kommt das Brot?

Bereits zu Beginn des Konzils strömten zahlreiche Kardinäle, Patriarche, Erzbischöfe, Gelehrte und Ordensleute nach Konstanz. Während der mehr als drei Jahre dauernden Versammlung wuchs die Zahl der Konzilteilnehmer und Besucher sogar auf 50.000 bis 70.000 Menschen an. Das brachte Konstanz zwar einen enormen wirtschaftlichen Aufschwung, gleichzeitig erreichte die mittelalterliche Handelsstadt jedoch die Grenzen ihrer Belastbarkeit. Am dringlichsten war die Frage der Verköstigung. Längst konnten die ortsansäßigen Bäcker die zahlreichen Menschen nicht mehr ausreichend mit Brot versorgen. Eine aufsehenerregende Erfindung wendete schließlich die drohende Katastrophe ab.

Zwei Knechte zogen den Karren von Ort zu Ort

historischer Ofen

historischer Ofen

Fremde Bäcker kamen nach Konstanz. Da sie nicht der städtischen Bäckerzunft angehörten, hätten sie ihr Brot streng genommen gar nicht feilbieten dürfen. Doch mit diesem fahrenden Bäckervolk gelangten auch die ersten beweglichen Holzbacköfen in die Konzilstadt. Allein diese auf schlichte Holzkarren gemauerten Steinöfen reichten aus, um einen Teil der strengen Zunftregeln außer Kraft zu setzen. Von Ort zu Ort gezogen wurden die Holzkarren von zwei Knechten, während der Bäcker für das Nachlegen der Holzscheite und das Backen der Brote, Pasteten und Brezeln verantwortlich war. Ein unverwechselbares Erkennungszeichen der mobilen Bäcker waren übrigens auch die von ihnen gebackenen Brezeln. Sie hatten die Form eines Herzens und sollten als christliche Glücksbeschwörer das Gelingen des Konzils vorantreiben.

Rollende Öfen sind bis heute präsent

Knusperbrötchen

Knusperbrötchen

Nach dem Papst Gregor XII zurückgetreten war und das Konzil die Päpste Benedikt XIII und Johannes XXIII kurzerhand abgesetzt hatte, verständigte sich das bischöfliche Konklave am 11. November 1417 auf ein neues Kirchenoberhaupt. Dieser Papst hat später als Martin V. Geschichte geschrieben und ist bis heute ebenso untrennbar mit der Konstanzer Vergangenheit verbunden wie die zu dieser Zeit erfundenen mobilen Holzbacköfen. Doch während das Wissen um die Wahl von Papst Martin V. allmählich in der Öffentlichkeit verblasste, sind die fahrenden Holzbacköfen bis heute präsent. Ob auf Märkten, Firmenfeiern, Messen, Geburtstagsfesten oder privaten Parties – frischgebackene Flammkuchen, Pizzen , Brötchen oder Holzofenbrote finden überall reißendenAbsatz. Für diesen Anlass bietet EDNA eine große Auswahl an vorgebackenen Pizzaböden. Sie sind im Nu lecker belegt und werden dann im Holzofen fertig gebacken. Lecker sind auch die vorgebackenen Flammkuchenteig-Böden. Sie bilden zusammen mit der Flammkuchen-Creme und dem EDNA-Flammkuchengewürz ein perfektes Trio.

Pizza

Pizza

Wer vorrangig Brötchen im Holzofen backen möchte, sollte sich von der großen Auswahl tiefgefrorener Brötchen-Teiglinge inspirieren lassen. Sie reicht von Bauernbrötchen, über Dreikornbrötchen und Dinkelwecken bis hin zu herzhaften Kernbeisserbrötchen und Malzmehrkornstangen. Eine praktische und zugleich sichere Hilfe sind in diesem Zusammenhang die EPP Transportboxen.

Von tanzenden Federn und deftigen Kuchen

Endlich ist Oktober! Während die warme Herbstsonne die letzten an den Weinstöcken verbliebenen Trauben verwöhnt, reift in den Weinkellern der Winzer bereits ein spritziger Herbstbote heran…

In Österreich genießt man ihn als ‚Weißen Sturm‘, im Südwesten Deutschlands gelangt er als Sauser in unsere Gläser. Für die Pfälzer ist er der Najer Woi oder Bitzler, die Franken hingegen schätzen ihn als ‚Bremser‘. Und in Rheinhessen, Deutschlands größtem Weinbaugebiet, prostet man sich mit dem Rauscher zu.

trauben

trauben

Die meisten von uns kennen ihn jedoch als Federweißen, eben jenem temperamentvollen Herbstboten, der neugierigen Weinliebhabern bereits kurz nach der Hauptlese einen Vorgeschmack auf den kommenden Weinjahrgang gibt.

Federweißer wird vornehmlich aus den Trauben frühreifender Rebsorten wie Bacchus, Ortega oder der Siegerrebe gewonnen. Mit Beginn der Hauptlese vergären die Winzer jedoch auch die weißen und roten Weintrauben mittel- und spätreifender Sorten zu dem spritzigen Jungwein.

Wie bei der Weinherstellung kommt es auch hier auf Schnelligkeit und sorgsames Arbeiten an: Sofort nach der Lese werden die Weintrauben per Traubenwagen zur Kelterstation transportiert und in der Weinpresse verarbeitet. Der dabei freiwerdende, naturtrübe Traubenmost wird aufgefangen und über ein Filtersystem vorgeklärt. Ist der Most weitgehend frei von Schwebstoffen, reichert der Kellermeister den Fruchtsaft mit speziell gezüchteten Hefepilzen an. Anschließend wird der Most in große, korrosionsfreie Edelstahl- oder Kunststoffbehälter gepumpt und schrittweise auf 16 bis 18 Grad Celsius erwärmt. Das ist der Startschuss für die Hefen.

Angefeuert von den warmen Temperaturen beginnen die Mikroorganismen nun den im Traubensaft gelösten Fruchtzucker aufzunehmen und in eigene Stoffwechselenergie umzuwandeln. Im Gegenzug geben die Hefepilze Kohlendioxid und Alkohol an den Most ab. Gas und der Ethanol reichern sich im Most an, daher wird dieser Vorgang auch als alkoholische Gärung bezeichnet.
Nach wenigen Tagen im Gärbehälter hat das Warten ein Ende: Der junge, spritzige und natürlich trübe Federweiße steht zur Verkostung und Flaschenabfüllung bereit. Wer einen nicht zu tiefen Blick ins Weinglas wirft, wird die im Federweißen enthaltenen Hefepilze sogar sehen: Sie tanzen wie winzige, weiße Federchen im vergorenen Most und geben dem jungen Wein seinen Namen.

zwiebelkuchen

zwiebelkuchen

Federweißer schmeckt am besten, wenn sich der Zuckergehalt der vergorenen Trauben und die im Most gelöste Fruchtsäure geschmacklich im Gleichgewicht befinden. Zu diesem Zeitpunkt besitzt der junge Wein einen Alkoholgehalt von etwa fünf Volumenprozent. Die Hefepilze bleiben auch nach der Flaschenabfüllung aktiv. Nur eine kühle Lagerung bei etwa acht bis zehn Grad Celsius verhindert, dass der im Most gelöste Fruchtzucker weiter abgebaut wird, der Alkoholgehalt steigt und der Federweißer eine zunehmend herbe Geschmacksnote erhält.

Berüchtigt ist der Federweiße vor allem wegen seiner turbulenten Wirkung auf den menschlichen Verdauungstrakt. Weit weniger bekannt dagegen ist sein gesundheitlicher Wert, vorausgesetzt er wird in Maßen getrunken. So enthält der spritzige Jungwein einen großen Anteil an Milchsäurebakterien, die sich förderlich auf die Darmflora auswirkten. Positiv bewerten Ernährungsexperten auch den hohen Vitamin B1 und B2 Gehalt.

In allen Regionen Deutschlands wird der Federweiße vorzugsweise zu deftigen Speisen getrunken. Traditionell überliefert und bis heute heiß begehrt ist der Schwäbische Zwiebelkuchen. Doch wie kam es dazu?
Ursprünglich stammt der Zwiebelkuchen aus Elsass-Lothringen. Hier kommt er seit vielen Jahren vor allem zu festlichen und geselligen Anlässen auf den Tisch. Über reisende Händler gelangte die Elsässer Tradition zunächst nach Baden und breitete sich von dort in ganz Deutschland und in weiten Teilen Österreichs und der Schweiz aus.

In Schwaben, einer Region mit vornehmlich kargen, ertragsarmen Böden, war Viehzucht lange Zeit nur eingeschränkt möglich. Fleisch konnten sich nur wenige Menschen leisten, stattdessen kamen deftige Mehl-, Kartoffel- und Eierspeisen wie die noch heute beliebten Spätzle, Schupfnudeln oder Pfannkuchen den Tisch.
Auch Zwiebeln haben in der damaligen Ernährung der Schwaben eine große Rolle gespielt. Sie gediehen auf nährstoffarmen Böden, ließen sich gut lagern, enthielten viele Vitamine und Mineralien und galten als typisches Wintergemüse armer Leute.
So erklärt sich die besondere Vorliebe der Schwaben für den dünn ausgerollten, mit Zwiebeln, Speck und Rahm belegten Hefefladen, dem viele noch Ei und Kümmel hinzufügen.

quiche-tartelette

quiche-tartelette

Wen nun die Lust auf ein deftiges Herbstbuffet mit Federweißem, herzhaftem Zwiebelkuchen oder delikaten Quiches und Tartelettes überkommt, sollte rasch im EDNA Online-Shop vorbeischauen. Eine besondere Delikatesse ist der traditionelle Zwiebelkuchen  mit einer pikanten Füllung aus reichlich blanchierten Zwiebeln und aromatischem Schwarzwaldschinken. Ideal zum spritzigen Federweißen ist auch die Tarte Quiche Lorraine. Und für alle, die ihr Herbstbuffet individuell zusammenstellen möchten, bietet EDNA eine große Auswahl unterschiedlicher Quiche Tartelettes – von deftig bis herzhaft süß.
Einen schönen Herbst und guten Appetit!