18. November 2017

Von Zwetschgen und Pflaumen – oder wie der Pflaumenbaum Europa eroberte

Pflaume

Pflaume

Pflaumen und Zwetschgen. Zweifacher Name – gleiche Frucht? Na von wegen! Die Unterschiede sind größer als wir zunächst vermuten…

Rund und prall liegen sie vor mir auf dem Verkaufstisch. Satt dunkelblau gefärbt und mit einem samtigen Reif überzogen: Zwetschgen. Egal ob Bühler, Ersinger, Lützelsachser, Stanley oder Zimmer: Sie sind meine Sommerboten und verbreiten auch dann noch gute Laune, wenn die warmen Sonnentage längst Geschichte sind.

„Bitte geben Sie mir zwei Kilo Zwetschgen“, rufe ich der Obsthändlerin zu und deute auf den sorgfältig aufgeschichteten Fruchtberg in der Mitte des Tisches. „Oh, das sind Pflaumen“, korrigiert mich die Verkäuferin freundlich und führt mich auf die andere Seite der Verkaufstheke. „Hier haben wir die Zwetschgen“. Irritiert vergleiche ich die beiden Obstsorten miteinander: „Ist das nicht das Gleiche?“, frage ich leicht verwirrt. „Im Grunde schon“, antwortet die Obsthändlerin und reicht mir eine Handvoll Pflaumen und Zwetschgen zum Vergleich. „Probieren Sie und finden Sie den Unterschied heraus!“

Tatsächlich ist die Zwetschge (Prunus domestica) eng mit der Pflaume verwandt. Beide gehören zur Großfamilie der Rosengewächse. Die Erntezeit beider Früchte beginnt im Juli und kann sortenabhängig bis in den Oktober hineinreichen. Ein weiteres charakteristisches Merkmal von Zwetschgen und Pflaumen ist ihr Stein, der im Inneren der Früchte vom weichen, saftigen Fruchtfleisch umschlossen wird. Er gibt den Zwetschgen und Pflaumen ihren zweiten Familiennamen „Steinfrucht“. Wer jetzt an Kirschen, Mangos, Mirabellen, Pfirsiche oder Oliven denkt, liegt richtig. Auch sie gehören in diese Familie und gelten als weitläufige Cousinen und Cousins der Zwetschgen und Pflaumen.

Pflaumen

Pflaumen

Die ursprüngliche Heimat der Pflaume ist Vorderasien, hier wuchsen vor mehr als 2.000 Jahren die ersten Urpflaumen. In Kultur genommen wurde die Pflaume erstmals in Syrien, Zentrum des damaligen Pflaumenhandels war die Stadt Damaskus. Dort entdeckten römische Feldherren und Kriegstruppen das köstliche Obst und nahmen die Pflaumenbäume mit in ihre römische Heimat. Bald darauf hatte die Pflaume den gesamten Mittelmeerraum erobert. Auf welchen Wegen die Pflaume nach Mittel-und Westeuropa kam, ist nicht genau geklärt. Viele Historiker gehen jedoch davon aus, dass der systematische Anbau von Pflaumenbäumen in dieser Region auf eine Initiative von Karl dem Großen zurückgeht.

Die Pflaume selbst ist im Gegensatz zur Zwetschge eher rundlich und oft etwas kleiner. Die seitlichen Enden der Pflaume sind weich und abgerundet, außerdem werden die beiden Fruchthälften durch eine deutliche Kerbe, die sogenannte Bauchnaht geteilt. Bei der Zwetschge ist diese Naht nicht zu erkennen. Da Pflaumen schon sehr lange kultiviert werden, gibt es weltweit viele unterschiedliche Sorten mit unterschiedlichen Formen und Farben. So sind auch gelbe und rötliche Pflaumen keine Seltenheit. Zwetschgen dagegen sind immer blau-violett gefärbt.

Während ich abwechselnd in das Fruchtfleisch einer Zwetschge und einer Pflaume beiße, fällt mir ein weiterer Unterschied auf: Das Fruchtfleisch der Zwetschgen ist fester, weniger saftig und lässt sich leichter vom Stein lösen als das der Pflaumen. „Richtig“ bestätigt die Obsthändlerin, „Zwetschgen behalten sogar bei hohen Koch- und Backtemperaturen ihre Form. „Daher werden sie auch bevorzugt für den berühmten Zwetschgendatschi verwendet während sich aus Pflaumen tolle Fruchtkuchen mit Streuselbelag, Marmeladen und leckere Fruchtmuse herstellen lassen“.

Plaumenschnitte

Plaumenschnitte

Mit zwei Tüten voll Pflaumen und Zwetschgen verlasse ich kurz darauf den Marktstand. Bleibt die Frage, worauf ich jetzt mehr Lust habe: Einen leckeren Pflaumenstreuselkuchen oder die berühmten Pflaumenschnitten mit Butterstreuseln?

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