18. November 2017

Drunch – eine Idee wird Trend

„Einladung zum Drunch“, lese ich auf der liebevoll gestalteten Karte einer Freundin. Ein Rechtschreibfehler? Nein, keineswegs. Ein Drunch verbindet Lunch und Dinner und steht für eine gesellige, legere und kreative Esskultur. Eine Idee, die immer mehr Anhänger findet.

Es ist kurz nach 17.00 Uhr als ich die Altbauwohnung der Gastgeberin betrete. Aus der Küche duftet es herrlich und im Esszimmer ist der Tisch festlich gedeckt. Trotzdem erwartet mich heute kein feierliches Drei-Gänge-Menü. Stattdessen werde ich zum ersten Mal „drunchen“, und diese Kombination von Lunch und Dinner hat eigene, unkonventionelle Eigenschaften. Soviel haben mir die anderen Gäste schon mal verraten.

herzhafte Tartelettes

herzhafte Tartelettes

Im Gegensatz zum weithin bekannten Brunch, einer Kombination aus Frühstück (Breakfast) und Mittagessen (Lunch) beginnt ein Drunch immer erst zwischen 17.00 Uhr und 18.00 Uhr. Das hat ihm den etwas saloppen Beinamen ‚Brunch für Langschläfer‘ eingebracht. Dabei gehören nicht nur schlafbedürftige Partygänger und sofaverliebte Faulenzer zur wachsenden Drunch-Community. Vor allem Eltern und Kinder wissen die neue Esskultur zu schätzen. Familienausflüge und gesellige Stunden im Freundeskreis lassen sich so leicht miteinander verbinden. Hoch im Kurs steht das Event auch bei allen, die den Lifestyle lieben und beruflich Vollgas geben: Da jede Drunch-Party spätestens um 21.00 Uhr endet, muss kein Mitglied der Tafelrunde am nächsten Morgen mit Katerstimmung zum Arbeitsplatz taumeln. Vermutlich finden deshalb die meisten Lunch-Dinner an Sonntagen statt.

Die neue Esskultur kam, wen wundert’s, aus den USA nach Deutschland. Besonders populär ist das Drunchen in Frankreich. Die Franzosen gelten sogar als Vorreiter der europäischen Drunchkultur. Doch warum ist diese eher lässige Form des Speisens in Frankreich so beliebt? Einem Land, das immerhin als Wiege der Haute Cuisine gilt?

Petits Fours

Petits Fours

Die Antwort auf meine Frage liegt sprichwörtlich auf dem Silbertablett. Staunend betrachte ich die kunstvoll arrangierten Canapés, belegt mit Räucherlachs, Chorizo oder Ziegenkäse. Außerdem stellt unsere Gastgeberin kunterbunt gemischte Schälchen mit Salat, Rosmarinkartoffeln, kleinen Frikadellen, gegrillten Maiskolben, Pflaumen im Speckmantel und unterschiedlichen Dips auf den Tisch. Zum Verlieben lecker sind auch die Involtini mit Auberginen und Parmaschinken, die herzhaften Tartelettes und die Mini-Quiches. Zum Abschluss gibt es typisch amerikanische Mini-Cupcakes frischen Obstsalat, Käse und kleine Petits Fours.

Bei einem Drunch werden alle Gerichte als kleine Portionen serviert und auf Tablettes, Servierplatten oder in kleinen Schalen angerichtet. Damit erinnern die Speisen stark an spanische Tapas oder italienische Antipasti. Auf die Farben und Formen des verwendeten Tafelgeschirrs kommt es nicht an, der lebhafte Stilmix gibt dem Drunch seine legere, unkomplizierte Note. Viel Fingerspitzengefühl und Kreativität sind dagegen beim Arrangieren und Dekorieren der Speisen gefragt. Mehr denn je gilt: Das Auge isst mit. Zur Kreation des Abends wählen wir die Servierlöffel, auf denen unsere Gastgeberin die Pflaumen im Speckmantel angerichtet hat. Die kunstvoll geschwungene Form der Löffel erinnert an die Rialtobrücke in Venedig. Eine weitere Augenweide sind die farbigen, mit süßen Cremes und Obststückchen gefüllten Miniwaffeln.

Löffel Rialto

Löffel Rialto

Ein Drunch ist, abgesehen vom festen Start- und Finish, frei von Regeln und Einschränkungen. Es gibt keinen Dresscode und alle Traditionen, die sonst bei der Planung und Gestaltung eines modernen oder klassischen Menüs Beachtung finden, sind außer Kraft gesetzt. Auf die Drunch-Tafel kommt, was der Kühlschrank bietet. Hier reicht das Repertoire von schnell zubereiteten Snacks bis hin zu deftigem Fingerfood und feinen, anspruchsvollen Gerichten à la Haute Cuisine. Im Vordergrund steht die Geselligkeit, daher dürfen Gäste gerne ihr persönliches Lieblingsgericht zur Drunch-Party beisteuern. Es ist wahrlich keine Überraschung, dass die Franzosen diese schöne und zugleich zwanglose Art des Speisens so lieben!

Weckgläschen

Weckgläschen

Ortswechsel. In einem spanischen Szene-Restaurant haben sich vier befreundete Paare zum gemeinsamen Sonntagsdinner versammelt. Gespeist wird nicht à la carte, stattdessen stehen bunte Schälchen, ausgefallene Gläschen und Platten mit kunstvoll verzierten spanischen Spezialitäten auf dem Tisch. Ja, die Drunch-Gemeinschaft wächst und beschränkt sich längst nicht mehr auf Privathaushalte. Immer mehr Bar- und Restaurantbesitzer entdecken die neue Esskultur und nehmen sie in ihr Angebot auf. Vielleicht treffen wir uns ja demnächst an einem solchen Ort, in diesem Sinne: Happy Drunch!

 

Über Wolli

Comments

  1. Tolle Idee, bis jetzt im Norden noch unbekannt, ABER nicht mehr lange!!

  2. Wolli schreibt:

    Schön, dass der Norden auch bald in den Genuss eines Drunches kommen wird.
    Wir finden das auch eine tolle Idee und hoffen auf viele Nachahmer.

    Ihr Wolli

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