18. November 2017

Wolli auf Wechselkurs – welche Veränderungen bringt das neue Jahr?

Eröffnen wir im April eine Frühstückspension, ja oder nein? Seit Tagen drücke ich mich vor dieser Entscheidung. Meine Mutter hingegen verfolgt ihre Idee mit Nachdruck.

„Warum sollen dein Vater und ich nicht die leer stehenden Zimmer in unserem Bauernhaus herrichten und an Übernachtungsgäste vermieten?“, fragt meine Mutter bei unserem gemeinsamen Frühstück. Ich zuckte zusammen als hätte mich eine spitze Nadel getroffen: „Bitte Mutter, lass uns nicht schon wieder über dieses Thema diskutieren. Du kennst doch meinen Standpunkt“.

Seit Tagen liegt sie mir mit dieser fixen Idee in den Ohren. Und mindestens genauso lange versuche ich einer Entscheidung auszuweichen. Sicher, seit die Großeltern verstorben sind und meine Schwester in eine andere Stadt gezogen ist, bewohnen meine Eltern das große, über 250 Jahren alte und liebevoll gepflegte Bauernhaus allein. Oft hat meine Mutter die vielen, ungenutzten Räume und die ungewohnte, fast beängstigende Stille im Haus beklagt. Vor drei Jahren, kurz nachdem meine Eltern aus Altersgründen aus der Milchviehhaltung ausstiegen, begann mein Vater das über 400 Quadratmeter große Bauernhaus Schritt für Schritt umzubauen. Im Zuge dieser Maßnahmen haben sich meine Eltern eine moderne, altersgerechte Wohnung im ersten Obergeschoss des Bauernhauses eingerichtet. Gleichzeitig entstand im Dachgeschoss eine schöne, 140 Quadratmeter große Wohneinheit, in der ich jetzt lebe. Die Räume im Erdgeschoss des alten Bauernhauses sind seit dem Umbau unbewohnt und werden nur hin und wieder als Gästeschlafzimmer genutzt. Exakt diese Räume möchte meine Mutter jetzt renovieren und künftig an Pensionsgäste vermieten.

Frühstücksbrötchen

Frühstücksbrötchen

„Das alte Wohn- und Esszimmer mit dem großen Kachelofen könnten wir in einen behaglichen Frühstücks- und Aufenthaltsraum verwandeln“, überlegt meine Mutter, während sie in ein frisches, süßes FF-Frühstücksbrötchen beißt. „Mutter, noch vor wenigen Wochen hast Du mich mit deutlichen Worten an unsere begrenzten Zeit- und Personalressourcen erinnert. Daher verstehe ich nicht, warum du jetzt unbedingt eine Frühstückspension eröffnen möchtest!“, mache ich meinem Ärger Luft.
„Weil ich schon immer eine Frühstückspension führen wollte“, antwortet meine Mutter leicht gereizt. „Außerdem wirst du meine Hilfe im Landcafé und in der Dorfbäckerei in Zukunft nicht mehr so häufig benötigen. Meine Aufgaben übernehmen ja jetzt deine neuen Mitarbeiter“, fügt sie hinzu.

Die neuen Mitarbeiter – Fluch oder Segen

Aha, daher weht der Wind. Meiner Mutter missfällt offensichtlich die Personalentscheidung, die ich Ende Dezember zusammen mit meinem Steuerberater getroffen habe. Dabei hat der Steuerfachmann und langjährige Freund der Familie in erster Linie die guten Betriebsergebnisse gelobt, die ich mit Unterstützung meiner Eltern seit der Eröffnung des Landcafés und der Dorfbäckerei erzielt habe. „Aus wirtschaftlicher Sicht spricht nichts dagegen, zwei Mitarbeiter einzustellen, die dich in der Backstube und im Verkauf unterstützen, Wolli“, erwiderte er auf meine Frage und klopfte mir anerkennend auf die Schulter. Kurzentschlossen habe ich auf dem Rückweg einen Zwischenstopp bei unserem städtischen Zeitungsverlag eingelegt und zwei Stellenanzeigen gebucht. Seit gestern gehören nun der Bäckergeselle Franz und die Bäckereifachverkäuferin Sonja zum Team.

„Ich möchte, dass uns Sonja und Franz entlasten“, versuche ich meiner Mutter zu erklären. „Du hast in den vergangenen Monaten wahrlich genug im Landcafé und in der Dorfbäckerei gearbeitet. Doch statt dir jetzt etwas mehr Ruhe zu gönnen, befürchtet du, überflüssig zu werden und stürzt dich kopfüber in das nächste Großprojekt“, mache ich meinen Ärger Luft. „Falsch!“, unterbricht mich meine Mutter. „Ich werde die günstige Gelegenheit nutzen und mir einen langgehegten Wunsch erfüllen“, ergänzt sie und beginnt den Frühstückstisch abzuräumen. „Wir werden sehen“, seufze ich und beschließe am Nachmittag noch einmal mit meinem Vater über Mutters Pläne zu sprechen.

„Lass sie gewähren“, schmunzelt mein Vater und nickt mir aufmunternd zu. „Wir kennen doch beide den Dickschädel deiner Mutter. Letztendlich hängt ihr Projekt von der Kreditzusage unserer Hausbank ab“. „Du glaubst also nicht daran, dass Mutter ihre Idee umsetzt und eine Frühstückspension eröffnet?“, frage ich fast ein wenig erleichtert. „Sie soll es probieren“, antwortet mein Vater und schaut mich an. „Ich werde deine Mutter bei der Verwirklichung ihrer Idee unterstützen. Trotzdem befürchte ich, dass sie keinen Erfolg haben wird“.
Ob er Recht behält?

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