20. Mai 2012

Ausflug auf die HOGA

„Stell Dir vor es hat geklappt!“, ruft meine Mutter und strahlt mit dem ersten vorfrühlingshaften Sonnenschein um die Wette. „Die Bank hat den Kredit bewilligt!“ „Wirklich?“ frage ich ungläubig. Im selben Moment werden mir die Konsequenzen dieser Nachricht bewusst: Meine Mutter hat ihren Dickschädel durchgesetzt. Sie wird allen Widerständen zum Trotz im April ihre Frühstückspension eröffnen.

Auch wenn ich ihrer Idee noch immer ein wenig skeptisch gegenüber stehe, diesen Erfolg hat sich meine Mutter redlich verdient. Während der vergangenen Tage haben wir oft bis in die frühen Morgenstunden an dem detaillierten Businessplan gearbeitet, den unsere Hausbank für die Vergabe des Kleinkredits vorausgesetzt hat. Dabei war meiner Mutter keine Aufgabe zu schwer und keine Hürde zu hoch. Scheinbar mühelos arbeitete sie das Dienstleistungsangebot für ihre zukünftigen Gäste aus, kalkulierte Preise, verglich Angebote und überraschte mich mit einem präzise aufgestellten Liquiditäts- und Investitionsplan. „Woher nimmst du nur diese unglaubliche Energie“, fragte ich sie, während wir über die Erfolgsaussichten und Kosten unterschiedlicher Werbemaßnahmen diskutierten, mit denen meine Mutter ihre Frühstückspension bei Wander- und Feriengästen bekannt machen will. „Ich freue mich darauf die Pension zu führen“, lautete ihre ebenso kurze wie eindeutige Antwort.

Schließlich kommt der Tag, an dem meine Mutter ihre Geschäftsidee einem kleinen, hochrangigen Kreis von Entscheidungsträgern der Kreditabteilung vorstellen soll. Während meinem Vater und mir die Anspannung schon am frühen Morgen deutlich anzusehen ist, scheint sie das bevorstehende, alles entscheidende Gespräch kaum zu berühren. Prächtig gelaunt, im neuen, eleganten Kostüm und mit sorgfältig frisierten Haaren steigt sie zu meinem Vater ins Auto. „Viel Glück“, rufe ich meinen Eltern nach und denke dabei unwillkürlich an meinen eigenen Banktermin vor etwa zwei Jahren. Damals musste ich den Mitarbeitern der Kreditabteilung das Konzept für die Dorfbäckerei und das Landcafé vorstellen. So ruhig und gefasst wie meine Mutter habe ich diese ungewohnte Aufgabe jedoch nicht bewältigt.

Es ist geschafft!

Brötchenspender

Brötchenspender

„Wolli, ich brauche noch einen Brötchenspender, einen Kaffeedispenser, Kühlschalen, Karaffen und Buffetvitrinen“, bemerkt die frisch gebackene Pensionsgründerin, als wir abends mit einem Glas Sekt auf den erfolgreichen Tag anstoßen. Meinst Du, dass EDNA diese Dinge im Programm führt? „Ich denke schon“, antworte ich und hole mein Notebook. „Lass uns doch gleich mal nachschauen“. Tatsächlich, im Bereich Non-Food der EDNA Service-Welt werden wir fündig. Dort hält EDNA in der Kategorie ‚Alles fürs Buffet‘ eine große Auswahl hochwertiger und praktischer Serviceprodukte bereit, mit denen sich im Nu ein optisch ansprechendes und appetitliches Frühstücksbuffet anrichten lässt.

Frühstücksbuffet

Frühstücksbuffet

„Schau Dir diese tollen Buffetvitrinen an!“ Während meine Mutter sichtlich angetan im EDNA Online-Shop stöbert, fällt mir ein Newsletter ein, den ich vor wenigen Tagen von EDNA erhalten habe. „Warst Du eigentlich schon einmal auf der HOGA, einer Fachmesse für Hotellerie, Gastronomie und Gemeinschaftsverpflegung?“, frage ich meine Mutter. „Nein“, antwortet sie und blickt vom Bildschirm meines Notebooks auf. „Aber diese Messe würde mich interessieren“. „Dann lass uns am Dienstag nach Nürnberg fahren“, schlage ich vor. „Dort kannst du dich dann auch zum Thema Frühstücksbuffet beraten lassen“. Außerdem haben wir uns eine kleine Auszeit verdient“, füge ich mit einem Lächeln hinzu.

Gesagt, getan. Bereits um kurz vor 10.00 Uhr, nach nicht einmal zwei Stunden Fahrzeit, erreichen wir das Nürnberger Messegelände, auf dem die HOGA in diesem Jahr stattfindet. Gefangen im dichten Besucherstrom durchqueren wir die ersten vier der insgesamt fünf Ausstellungshallen, begutachten PC-gestützte Kassensysteme, wetterfeste Polstermöbel und einen neuartigen Garkorb zum Grillen von Fisch. Etwa zwei Stunden später erreichen wir endlich die Halle 7. Zielgerichtet steuert meine Mutter auf den Stand C10 von EDNA zu und lässt sich ermattet auf einen freien Stuhl an einem der Bistrotische fallen. Wir gönnen uns zwei Tassen Kaffee und eine kleine Auswahl der leckeren Backwaren, die uns eine EDNA Beraterin anbietet. Während ich die kleine Pause genieße, unterhält sich meine Mutter am Tisch mit der Beraterin und lässt sich über die Ausstattung und das Sortiment Ihres Frühstücksbuffets beraten.

Mich dagegen fasziniert die Live-Präsentation der neuen Sandwich-Generation Croust’wich. Bei diesem Verfahren werden Belag und Brötchen getrennt voneinander aufbewahrt. Während die unterschiedlichen Sandwich-Beläge aus Käse, Wurst, Salat, Tomaten und Gurken fix und fertig vorbereitet in einer Kühlvitrine ihre Frische und Knackigkeit bewahren, warten die Baguettes und Brötchen in einer separaten Auslage unter einer Wärmelampe darauf, verarbeitet und verzehrt zu werden. Mit einer Sandwich-Schaukel lassen sich die Croust’wich-Sandwiches schnell und appetitlich vor den Augen des Kunden zubereiten. Bei meinen Kunden im Landcafé und in der Dorfbäckerei kommen diese Croust’wich-Sandwiches sehr gut an. Daher freue ich mich über die neuen Rezeptideen, die EDNA während der Live-Präsentation vorstellt.
„Es war ein schöner Tag“, resümiert meine Mutter, als wir am Abend die Heimfahrt antreten. „Lass uns das bald wiederholen“.

Wolli auf Wechselkurs – welche Veränderungen bringt das neue Jahr?

Eröffnen wir im April eine Frühstückspension, ja oder nein? Seit Tagen drücke ich mich vor dieser Entscheidung. Meine Mutter hingegen verfolgt ihre Idee mit Nachdruck.

„Warum sollen dein Vater und ich nicht die leer stehenden Zimmer in unserem Bauernhaus herrichten und an Übernachtungsgäste vermieten?“, fragt meine Mutter bei unserem gemeinsamen Frühstück. Ich zuckte zusammen als hätte mich eine spitze Nadel getroffen: „Bitte Mutter, lass uns nicht schon wieder über dieses Thema diskutieren. Du kennst doch meinen Standpunkt“.

Seit Tagen liegt sie mir mit dieser fixen Idee in den Ohren. Und mindestens genauso lange versuche ich einer Entscheidung auszuweichen. Sicher, seit die Großeltern verstorben sind und meine Schwester in eine andere Stadt gezogen ist, bewohnen meine Eltern das große, über 250 Jahren alte und liebevoll gepflegte Bauernhaus allein. Oft hat meine Mutter die vielen, ungenutzten Räume und die ungewohnte, fast beängstigende Stille im Haus beklagt. Vor drei Jahren, kurz nachdem meine Eltern aus Altersgründen aus der Milchviehhaltung ausstiegen, begann mein Vater das über 400 Quadratmeter große Bauernhaus Schritt für Schritt umzubauen. Im Zuge dieser Maßnahmen haben sich meine Eltern eine moderne, altersgerechte Wohnung im ersten Obergeschoss des Bauernhauses eingerichtet. Gleichzeitig entstand im Dachgeschoss eine schöne, 140 Quadratmeter große Wohneinheit, in der ich jetzt lebe. Die Räume im Erdgeschoss des alten Bauernhauses sind seit dem Umbau unbewohnt und werden nur hin und wieder als Gästeschlafzimmer genutzt. Exakt diese Räume möchte meine Mutter jetzt renovieren und künftig an Pensionsgäste vermieten.

Frühstücksbrötchen

Frühstücksbrötchen

„Das alte Wohn- und Esszimmer mit dem großen Kachelofen könnten wir in einen behaglichen Frühstücks- und Aufenthaltsraum verwandeln“, überlegt meine Mutter, während sie in ein frisches, süßes FF-Frühstücksbrötchen beißt. „Mutter, noch vor wenigen Wochen hast Du mich mit deutlichen Worten an unsere begrenzten Zeit- und Personalressourcen erinnert. Daher verstehe ich nicht, warum du jetzt unbedingt eine Frühstückspension eröffnen möchtest!“, mache ich meinem Ärger Luft.
„Weil ich schon immer eine Frühstückspension führen wollte“, antwortet meine Mutter leicht gereizt. „Außerdem wirst du meine Hilfe im Landcafé und in der Dorfbäckerei in Zukunft nicht mehr so häufig benötigen. Meine Aufgaben übernehmen ja jetzt deine neuen Mitarbeiter“, fügt sie hinzu.

Die neuen Mitarbeiter – Fluch oder Segen

Aha, daher weht der Wind. Meiner Mutter missfällt offensichtlich die Personalentscheidung, die ich Ende Dezember zusammen mit meinem Steuerberater getroffen habe. Dabei hat der Steuerfachmann und langjährige Freund der Familie in erster Linie die guten Betriebsergebnisse gelobt, die ich mit Unterstützung meiner Eltern seit der Eröffnung des Landcafés und der Dorfbäckerei erzielt habe. „Aus wirtschaftlicher Sicht spricht nichts dagegen, zwei Mitarbeiter einzustellen, die dich in der Backstube und im Verkauf unterstützen, Wolli“, erwiderte er auf meine Frage und klopfte mir anerkennend auf die Schulter. Kurzentschlossen habe ich auf dem Rückweg einen Zwischenstopp bei unserem städtischen Zeitungsverlag eingelegt und zwei Stellenanzeigen gebucht. Seit gestern gehören nun der Bäckergeselle Franz und die Bäckereifachverkäuferin Sonja zum Team.

„Ich möchte, dass uns Sonja und Franz entlasten“, versuche ich meiner Mutter zu erklären. „Du hast in den vergangenen Monaten wahrlich genug im Landcafé und in der Dorfbäckerei gearbeitet. Doch statt dir jetzt etwas mehr Ruhe zu gönnen, befürchtet du, überflüssig zu werden und stürzt dich kopfüber in das nächste Großprojekt“, mache ich meinen Ärger Luft. „Falsch!“, unterbricht mich meine Mutter. „Ich werde die günstige Gelegenheit nutzen und mir einen langgehegten Wunsch erfüllen“, ergänzt sie und beginnt den Frühstückstisch abzuräumen. „Wir werden sehen“, seufze ich und beschließe am Nachmittag noch einmal mit meinem Vater über Mutters Pläne zu sprechen.

„Lass sie gewähren“, schmunzelt mein Vater und nickt mir aufmunternd zu. „Wir kennen doch beide den Dickschädel deiner Mutter. Letztendlich hängt ihr Projekt von der Kreditzusage unserer Hausbank ab“. „Du glaubst also nicht daran, dass Mutter ihre Idee umsetzt und eine Frühstückspension eröffnet?“, frage ich fast ein wenig erleichtert. „Sie soll es probieren“, antwortet mein Vater und schaut mich an. „Ich werde deine Mutter bei der Verwirklichung ihrer Idee unterstützen. Trotzdem befürchte ich, dass sie keinen Erfolg haben wird“.
Ob er Recht behält?