18. November 2017

Das Landcafé erwacht zum Leben

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Es ist das spannendste Abenteuer meines Lebens. Und zugleich das Kühnste.

Richtig verinnerlicht habe ich meine neue Situation ehrlich gesagt noch nicht. So ist das, wenn man in den Sog einer Idee gerät und den Ausstieg nicht rechtzeitig findet. Oder nicht finden will, weil diese Idee, trotz der vielen harten Arbeitsstunden, die hinter mir liegen, einen geradezu fesselnden Charme hat. Jetzt gibt es kein Zurück mehr. Die Dinge sind entschieden, meine Aufgabe für die kommende, hoffentlich unbestimmte Zeit steht fest: Ich werde ein Landcafé führen. Mein Landcafé.

Das Abenteuer beginnt mit einer alten, staubigen Maschinenhalle. Ihre Fensterscheiben sind zerschlagen, die schmutziggrauen Wände tragen die Spuren einer jahrzehntelangen Nutzung. Das Dach ist gezeichnet von Stürmen und Gewittern, die über es hinweg gefegt sind. Nachdem meine Eltern aus Altersgründen ihren Milchviehbetrieb aufgaben, begannen sie, für die nun ungenutzten Gebäude eine neue Verwendung zu finden. Übrig blieb die alte Maschinenhalle, die über viele Jahre den Traktor und damit den Stolz der Familie beherbergte.

„Sie ist ein Schandfleck“ wetterte meine Mutter und forderte rigoros ihren sofortigen Abriss. Vielleicht sorgten sentimentale Erinnerungen dafür, dass ihr Appell ohne Folgen blieb, vielleicht sicherte aber auch die geringe Lust meines Vaters auf Baumaßnahmen den Erhalt der alten Halle. So stand sie auch noch an dem Tag, als die einzige Gastwirtschaft im Ort für immer ihre Pforten schloss. Diese Gastwirtschaft war gewiss kein Nobelrestaurant und weit davon entfernt, Michelin-Sterne für seine exklusive Küche zu gewinnen. Aber sie bildete den kommunikativen Mittelpunkt unserer Ortsgemeinde. Hier wurden Familienfeiern abgehalten, hier trafen sich die Vereinsmitglieder zum geselligen Umtrunk und hier dauerten die Schafkopfrunden üblicherweise bis zum Morgengrauen. Kurzum: Die entstandene Lücke musste schnellstmöglich geschlossen werden.

Doch das war leichter gesagt als getan. Das Gebäude, in dem die Gastwirtschaft bisher untergebracht war, wurde an einen Privatinvestor verkauft, Alternativen standen im Ort nicht zur Verfügung. Fast hätten wir uns mit unserem Schicksal abgefunden. Dann hatte meine Mutter die zündende Idee: „Wolli, wie wäre es, wenn wir die alte Maschinenhalle zur Dorfwirtschaft umbauen würden?“ Schnell fand ihr Vorschlag Zustimmung. Gleichzeitig wurden Stimmen laut, die neben der Dorfwirtschaft auch eine bessere Versorgung der Dorfgemeinschaft mit frischen Lebensmitteln forderten. Besonders groß war der Wunsch nach frischen Backwaren. „Wolli, das wäre doch ideal für Dich. Dann könntest Du neben der Dorfwirtschaft auch Deine eigene kleine Bäckerei eröffnen und so endlich etwas aus Deiner Ausbildung zum Bäcker und Konditor machen“, schlug meine Mutter vor.

Und heute, gefühlte 1000 Tage Rückenschmerzen, viele Bankgespräche und ungezählte Formulare später, ist das erste Etappenziel erreicht: Wir haben die alte Maschinenhalle in ein wunderschönes Landcafé verwandelt. Und damit nicht genug: Während eines Bauabschnittes wurden eine Zwischendecke und zusätzliche Wände in die riesige Halle eingezogen. Dadurch sind viele neue Räume entstanden, die auf zwei Etagen verteilt sind. In einem dieser Räume im unteren Stockwerk habe ich eine hübsche, kleine Dorfbäckerei eingerichtet. Der Verkaufsraum ist direkt mit dem Landcafé verbunden und über einen neu angelegten Pflasterweg vom alten Obstgarten her erreichbar.

Im gleichen Stockwerk auf der Westseite des Gebäudes befindet sich die Dorfwirtschaft mit einer kleinen Küche und den sanitären Anlagen.

Unter dem Dach der ehemaligen Maschinenhalle entstand ein über 200 Quadratmeter großer Saal. Er ist über das neue Treppenhaus oder über einen Aufzug erreichbar und besitzt auf der Stirnseite eine kleine Bühne. Außerdem haben wir eine Theke mit Getränkeausschank in den Saal integriert. Damit ist er optimal ausgestattet um dort stimmungsvolle Firmen- und Vereinsfeste zu feiern.

In zwei Wochen werde ich das Landcafé und die Dorfbäckerei eröffnen. Sogar der Bürgermeister und der Landrat haben sich zur offiziellen, feierlichen Schlüsselübergabe angesagt. Ich bin nervös wegen des Buffets. Was soll ich anbieten? Es wird höchste Zeit mit den Vorbereitungen zu beginnen!

Über Wolli

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